Unterschiede zwischen wasserdichten und wasserfesten Schuhen

Im Alltag begegnen uns diese Begriffe stÀndig: wasserdichte Schuhe, wasserabweisende Bergschuhe oder wasserfeste Wanderschuhe. Doch welche Bedeutung haben sie eigentlich?

Im Alltag begegnen uns diese Begriffe stĂ€ndig: wasserdichte Schuhe, wasserabweisende Bergschuhe oder wasserfeste Wanderschuhe. Doch welche Bedeutung haben sie eigentlich? Viele dieser Begriffe werden synonym fĂŒreinander benutzt, was den Alltagsgebrauch erschwert.

Wasserfeste Schuhe und Kleidung

Schuhe oder Textilien mit der Bezeichnung wasserfest bieten den geringsten Schutz gegenĂŒber NĂ€sse. Nicht richtig ist jedoch die Annahme, dass wasserfeste Wanderschuhe keinen Schutz bieten wĂŒrden. Sie bieten lediglich eine geringere Wasserresistenz als Textilien, die als wasserdicht gelten. Die Grundlage von wasserfesten Textilien sind meist Kunstfasern wie Polyester und Nylon. Sie können im Gegensatz zu Baumwolle viel engmaschiger gewebt werden, wodurch eine gewisse BestĂ€ndigkeit gegenĂŒber NĂ€sse erreicht wird.

Im Gegensatz zu wasserdichten oder wasserabweisenden Textilien sind wasserfeste Stoffe hÀufig unbehandelt. Sprich sie weisen keine zusÀtzliche (wasserdichte) Membran auf und wurden nicht - sofern nicht anders ausgewiesen - thermisch oder chemisch behandelt. Wasserfeste Schuhe sind also von sich aus, dank der Kunstfasern und wie sie verarbeitet wurden wasserfest.

Wasserfeste Schuhe oder Textilien schĂŒtzen dich so lange vor NĂ€sse, wie das Material Feuchtigkeit aufnehmen kann. Bei andauerndem Starkregen lĂ€ufst du Gefahr, irgendwann nass zu werden, da das Material nicht schnell genug trocknet.

Was bedeutet wasserdicht bei Wanderschuhen?

Die Entscheidungsgrundlage darĂŒber, ob etwas wasserdicht ist oder nicht, liefert die WassersĂ€ule. Sie gibt den (hydrostatischen) Druck an und beschreibt, wie viel Wasser (gemessen in mm) auf einer 1 Quadratmeter großen FlĂ€che nötig ist, bis die FlĂ€che - z.B. das Textil - wasserdurchlĂ€ssig wird. Die Wasserdichtigkeit wird als EU-Norm unter der Ziffer EN 343 gefĂŒhrt und in den Klassen 1-3 angegeben. 

  • Klasse 1: -

  • Klasse 2: > 800 mm

  • Klasse 3: > 1.300 mm

Abgeleitet von der EU-Norm dĂŒrfen also Textilien fĂŒr Wanderschuhe, Regenjacken oder Zelte bereits ab einer WassersĂ€ule von 800 mm als wasserdicht bezeichnet werden. Doch nur weil die EU-Norm sagt, dass etwas wasserdicht ist, muss das nicht unserem AlltagsverstĂ€ndnis von Wasserdichtigkeit entsprechen:  Die Eidgenössische MaterialprĂŒfungs- und Forschungsanstalt (EMP) in der Schweiz etwa spricht erst ab einer WassersĂ€ule von 4.000 mm von einem wasserdichten Textil.

Ob ein Schuh als wasserdicht gilt, hĂ€ngt demnach sowohl von der PrĂŒfanstalt als auch von der PrĂŒfmethode ab. Die benötigte WassersĂ€ule steht im unmittelbaren VerhĂ€ltnis zur TĂ€tigkeit.

Wasserabweisend

Wasserabweisend wird ein Stoff, wenn er zusĂ€tzlich noch chemisch oder thermisch behandelt wird. Dadurch bekommt der Stoff den bekannten Effekt, dass das Wasser - aber auch der Schmutz - abperlt. Die bekannteste Behandlung bzw. ImprĂ€gnierung ist die DWR ImprĂ€gnierung (Durable Water Repellency). Übersetzt steht sie fĂŒr “dauerhafte Wasserabweisung”. Je nach Marke kann die Zusammensetzung der Chemikalien und Technologien variieren, um den DWR-Effekt hervorzurufen. Eine DWR ImprĂ€gnierung wird hĂ€ufig in Kombination mit einer wasserdichten Membran wie der von Gore-Tex oder Sympatex oder wasserfesten Materialien verwendet. Diese beugt dem Vollsaugen des Außenmaterials vor. Wenn das Wasser also nicht mehr von den neuen Wanderschuhen oder der neuen Regenjacke abperlt und sich das Außenmaterial vollsaugt, ist das kein Grund, in Panik zu verfallen. Die eigentliche wasserdichte Membran liegt unter dem Außenmaterial und hĂ€lt den Fuß trotzdem trocken. Das Gute ist, dass sich eine wasserabweisende ImprĂ€gnierung erneuern oder auftragen lĂ€sst.

Was macht wasserdichte Schuhe eigentlich wasserdicht?

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass alleine das Außenmaterial dafĂŒr sorgt, dass ein Schuh wasserdicht ist. Das eigentliche Technikwunder ist hingegen die im Innenschuh verwebte Membran. Textilmembranen werden in zwei Kategorien unterschieden:

  • mikroporöse Membran (z.B. Gore-Tex)

  • porenlose Membran (z.B. Sympatex)

Beide Membranen versuchen die Feuchtigkeit schnell von der Innenseite des Schuhs nach außen zu transportieren, wĂ€hrend das Eindringen von Feuchtigkeit von außen verhindert wird. Somit bleibt die AtmungsaktivitĂ€t des Außenmaterials erhalten, wĂ€hrend kein Wasser mehr eindringen kann.

MIKROPORÖSE MEMBRAN (Z.B. GORE-TEX)

Eine mikroporöse Membran wie sie von Gore-Tex hergestellt wird, arbeitet mit einer Schicht aus Poren. Durch die KörperwĂ€rme entsteht im Inneren des Schuhs ein (Über)Druck, welcher dazu fĂŒhrt, dass Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf durch die Poren der Membran nach außen transportiert wird. Wassertropfen sind hingegen zu groß, als dass sie von außen durch die Poren wieder eindringen könnten. Schuhe mit einer Gore-Tex Membran sind meist wie folgt aufgebaut:

  • SchĂŒtzendes Mesh Material, welches unterhalb des Obermaterials liegt.

  • Die eigentliche mikroporöse Membran.

  • Eine Stoffschicht, die auf der Innenseite des Schuhs liegt und so konzipiert ist, dass sie den Schweiß unmittelbar großflĂ€chig verteilt. Dadurch wird sichergestellt, dass die komplette FlĂ€che der Membran die Feuchtigkeit abtransportiert und nicht, dass die Membran punktuell ĂŒberlastet wird.

VOR- UND NACHTEILE VON SCHUHEN MIT EINER (MIKROPORÖSEN) GORE-TEX MEMBRAN

Vorteile

Nachteile

Der FlĂŒssigkeitstransport passiert unmittelbar – also nicht zeitverzögert.

Eine kaputte (Schuh)Membran ist irreparabel.

Gutes Fußklima bei niedrigen Temperaturen.

Je höher die Außentemperatur, desto trĂ€ger wird der Feuchtigkeitstransport. Da das DruckgefĂ€lle niedriger ist.

PORENLOSE MEMBRAN (Z.B.: SYMPATEX)

Anders als bei der mikroporösen Membran gibt es bei Schuhen mit einer Sympatex Membran keine Poren. Porenlose Membranen wie die von Sympatex arbeiten mit zwei Materialeigenschaften:

  • hydrophilem Gewebe (wasserliebend bzw. wasseranziehend)

  • hydrophobem Gewebe (wasserabstoßend)

Beide Materialien sind so miteinander verwebt, dass sie die Feuchtigkeit auf der Innenseite des Wanderschuhs aufnehmen und dann nach außen hin abgeben. Dadurch, dass das hydrophobe - also wasserabstoßende - Gewebe auf der Außenseite, aber unterhalb des Obermaterials liegt, kann kein Wasser eindringen.

VOR- UND NACHTEILE VON SCHUHEN MIT EINER (PORENLOSEN) SYMPATEX MEMBRAN

Vorteile

Nachteile

Der Feuchtigkeitstransport funktioniert immer und wird nicht durch die Außentemperatur beeinflusst.

Der Feuchtigkeitstransport ist zeitverzögert.

100 % recyclebar

Winddicht

WAS IST DIE WASSERSÄULE?

Die WassersĂ€ule beschreibt den Druck auf ein Textil, bis es Wasser durchlĂ€sst. Man spricht in diesem Fall von hydrostatischem Druck. Je höher die WassersĂ€ule ist, desto dichter ist auch das Material. Gemessen wird dabei der Wasserdruck auf eine 1 Quadratmeter große FlĂ€che, bis sich erste Tropfen auf der Unterseite bilden. Eine WassersĂ€ule von 1.000 mm entspricht einem Druck von ungefĂ€hr 0,1 Bar.

DIE WASSERSÄULE FÜR WANDERSCHUHE

Anders als bei Regenjacken, wo die WassersĂ€ule angefĂŒhrt wird, ist es bei Schuhen ein bisschen schwieriger. Einfach aus dem Grund, weil sie seitens der Marken kaum angegeben wird.

Der Hauptgrund liegt in der Konstruktion: Die Membran einer Regenjacke wird lediglich von einem feinen, leichten Obermaterial ĂŒberzogen. Somit ist der Wasserdruck auf die Membran einfacher messbar.  Die Membran eines Wanderschuhs wird von einem harten und steifen Obermaterial umschlossen. Somit verĂ€ndert sich natĂŒrlich auch der Druck auf die Membran. Die Messung des Drucks gestaltet sich entsprechend schwierig. Je mehr Gewicht oder Druck von oben auf einen Wanderschuh wirkt, desto höher muss auch die WassersĂ€ule sein. Bergschuhe mit einer Gore-Tex oder Sympatex Membran haben mindestens eine WassersĂ€ule von 10.000 mm und gehen - abhĂ€ngig von der Art der Membran - hoch bis auf 45.000 mm. Auch wenn die konkrete WassersĂ€ule nicht mit angegeben ist, kannst du davon ausgehen, dass ein wasserdichter Wanderschuh mit entsprechender Membran mindestens eine WassersĂ€ule von 10.000 mm aufweist.

WANN IST EIN SCHUH NICHT MEHR WASSERDICHT?

Nur weil im Inneren deines Bergschuhs eine Membran verwebt ist, bedeutet es nicht, dass diese unantastbar ist. Im Folgenden werden wir dir ein paar Ursachen nennen, die dazu fĂŒhren können, dass du trotz Membran nasse FĂŒĂŸe bekommst:

  • BeschĂ€digungen der Membran: Wenn du beim Wandern das Außenmaterial beschĂ€digst, indem z.B. ein Dorn den Schuh und die Membran durchbohrt, kann diese das Wasser nicht mehr abhalten. Nasse FĂŒĂŸe sind die Konsequenz. Eine durchstochene Membran gilt als irreparabel. 
  • Aufgetragene Membran: Ein PhĂ€nomen, welches man hin und wieder bei Kinderschuhen beobachtet ist, dass die Membran im Zehenbereich ausgeleiert ist. Dadurch kann Wasser eindringen. Wenn die Schuhe zu klein werden, reiben die Zehen stĂ€ndig in der Zehenbox am Innenschuh, was dazu fĂŒhren kann, dass die Membran Schaden nimmt. Äußerlich lĂ€sst sich das nicht feststellen und wird erst sichtbar, wenn man den Schuh auseinander nimmt.
  • Veraltete ImprĂ€gnierung: Wasserfeste Schuhe mit einer wasserabweisenden Schicht/ImprĂ€gnierung mĂŒssen, um langfristig wasserabweisend zu bleiben, gepflegt werden. Die aufgetragene ImprĂ€gnierung lĂ€sst mit der Zeit nach, sodass das Wasser nicht mehr abperlt. Im Gegensatz zu einer kaputten Membran lĂ€sst sich das allerdings wieder beheben. Wie das geht, zeigen wir dir hier.
  • Die Kapillarwirkung: Durch den Effekt der Kapillaraszension kann es beim Wandern dazu kommen, dass deine FĂŒĂŸe trotz intakter Membran nass werden. Dieses PhĂ€nomen lĂ€sst sich hin und wieder bei tief ausgeschnittenen Schuhen beobachten. Im nassen Gras sorgt die Kapillarwirkung dafĂŒr, dass die Feuchtigkeit ĂŒber das Außenmaterial nach oben steigt und ĂŒber den Schuhkragen in den Innenschuh wandert.

WIE KANN MAN SCHUHE WASSERFEST MACHEN?

Die Formulierung “einen Schuh wasserfest machen” ist in diesem Zusammenhang ein wenig irrefĂŒhrend:

  • Nach unserer Definition zum Begriff wasserfest hĂ€tte dies zur Folge, das Außenmaterial des Schuhs durch ein wasserfestes Außenmaterial zu ersetzen. Man mĂŒsste also den Schaft eines Schuhs austauschen und das ist vermutlich teurer als die Anschaffung eines neuen Schuhs.

  • Auch einen Wanderschuh wasserdicht zu machen, gestaltet sich als schwierig, weil man dazu einen Innenschuh mit einer mikroporösen oder porenlosen Membran einsetzen mĂŒsste.

  • Durchaus möglich ist allerdings das Erneuern oder Auftragen einer wasserabweisenden Schicht. Im Alltag sprechen wir davon, den Wanderschuh oder die Regenjacke zu imprĂ€gnieren. Da es sich dabei um eine zusĂ€tzliche (chemische) Schicht auf dem Außenmaterial handelt, kann diese durch eine SprĂŒh- oder Wasch-ImprĂ€gnierung aufgetragen werden. Wie das bei Wanderschuhen geht, zeigen wir dir in diesem Blogbeitrag.

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