INTERSPORT Blog | 1. Juli 2020 | Lesezeit: 5 Minuten

Textilmembranen und ihre Funktion

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Dass beim Thema Funktionsbekleidung viel mit Fachbegriffen um sich geworfen wird, ist keine wirkliche Neuheit. Der Begriff der Membran fällt in diesem Zusammenhang nur allzu häufig. Oft fehlen allerdings Erklärungen, was sich dahinter verbirgt. Nicht jede Membran funktioniert nach demselben Prinzip. In diesem Blogartikel geht es um genau diese Frage. Wir stellen euch die bekanntesten Technologien vor und welche Funktionen sich hinter den Technologien verbergen. Genauso werfen wir einen Blick auf das grundsätzliche Prinzip von Membranen.

Was sind Membranen und wofür brauche ich sie?

Der Begriff der Membran mag für viele ungute Erinnerungen aus dem Biologie-Unterricht wiederaufleben lassen. Membranen sind zunächst einmal hauchdünne Strukturen oder Schichten, die sich auf- oder nebeneinander anordnen. Jede dieser Schichten übernimmt eine bestimmte Funktion und genau jetzt sind wir auch schon wieder bei unseren Jacken.

Die Membran, welche sich am dichtesten an unserer Haut befindet, muss dafür sorgen, dass der Scheiß in Form von Wasserdampf schnell nach außen weitergegeben werden kann. Die mittleren Schichten sorgen wiederum dafür, dass der Transport schnell abläuft, während die Körpertemperatur konstant bleibt. Die äußere Membran ist dafür zuständig, Wasser Wind und Wetter abzuhalten während sie den Wasserdampf gleichzeitig abgibt.

Bei den Membranen wird zwischen den mikroporösen und den porenlosen Membranen unterschieden:

Die Funktion von mikroporösen Membranen

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei den mikroporösen Membranen um Schichten, die kleine Löcher aufweisen. Logischerweise sind diese so klein, dass sie mit bloßem Auge kaum sichtbar sind. In der Größe der Löcher liegt hingegen die gesamte „Magic“. Wenn wir anfangen zu schwitzen, heizt sich unser Körper auf und wir stoßen Wasserdampf aus. Diese Wasserdampf-Moleküle sind so klein, dass sie die Membranschichten mühelos passieren können. Ein Wassertropfen hingegen ist um einiges größer und kann nicht denselben Weg nehmen wie der Wasserdampf. Sprich, der Wasserdampf schafft es, durch die feinen Poren nach außen zu entweichen, während Tropfen zu groß sind, um denselben Weg ins Innere zu nehmen. Aus diesem Grund sind Membranen atmungsaktiv und wasserdicht zugleich.

 

Der Transport des Wasserdampfes nach draußen läuft jedoch nicht ganz ohne Hilfe ab und erfordert einen effektiven aber einfachen Trick. Das Schlüsselwort in diesem Fall ist Druck. Wenn sich dein Körper aufwärmt gibt er warme Wasserdampf-Moleküle (Schweiß) ab. Wenn die Außentemperatur kühler ist, baut sich im inneren der Jacke ein kaum spürbarer Überdruck auf, welcher dazu führt, dass der Wasserdampf an die Jacken-Innenseite gedrückt wird. Marken wie Gore Tex und viele andere Technologien arbeiten nach genau diesem Prinzip.

Die Funktion von porenlosen Membranen

Die porenlosen Membranen sind prinzipiell das direkte Gegenteil der mikroporösen Membran. Porenlose Membranen kommen in der Regel mit zwei unterschiedlichen Membrantypen aus, was sie robuster und auch widerstandsfähiger macht.

 

Es gibt sowohl eine Membranschicht aus hydrophoben (wasserabschoßenden) Polyester und eine Membranschicht aus hydrophilen (wasseranziehenden) Polyether. Beide Materialen werden so eingesetzt, dass sie uns trocken und warm halten. Die Membrantypen sind so miteinander verwoben, dass sie sie kleine Riffelungen bilden, sodass das wasseranziehende Polyether den Wasserdampf zunächst (ohne Druck) aufnimmt, während die wasserabstoßende Membran im Anschluss dafür sorgt, dass der Schweiß über die Riffel nach außen transportiert wird. Dieses Prinzip finden wir unteranderem bei den Sympatex Membranen.

Welcher der beiden Membran-Technologien ist die richtige für mich?

Beide Arten von Membranen haben ihre Vor- und Nachteile, die in bestimmten Situationen entscheidend sein können. Der größte Vorteil der mikroporösen Membran ist, dass der Wasserdampf unmittelbar durch die Poren entweichen kann. Dieser Vorteil kann allerdings nur dann ausgespielt werden, wenn ein Druckgefälle zwischen der Temperatur im Jackeninneren und der äußeren Temperatur vorhanden ist. Im Klartext bedeutet das, dass je wärmer es draußen ist, desto langsamer und schlechter wirkt dieses Prinzip. Ist es draußen gar wärmer als in der Jacke wird die teure (Gore Tex) Jacke zum Saunaanzug.

Diesen Nachteil gibt es bei porenlosen Membranen nicht – die Atmungsaktivität wird allein über die wasseranziehen und -abstoßenden Materialen geregelt und ist damit temperaturunabhängig. Im Gegensatz zur mikroporösen Membran ist der Flüssigkeitsaustauch jedoch langsamer. Das bedeutet, dass die (innere) wasseranziehende Polyether-Membran zunächst ein wenig Zeit braucht, um all die vom Körper kommende Feuchtigkeit aufzunehmen.

Wer was bevorzugt, hängt stark vom geplanten Einsatzgebiet ab. Wer sich eine Jacke, mit einer mikroporösen Membran für den Wintersport holen will, wird vermutlich nie Probleme mit zu geringem Druck haben, da die Außentemperatur immer niedriger sein wird als die am Körper. Wer allerdings plant, eine bestimmte Jacke bspw. eine Regenjacke ganzjährig zu tragen und diese auch einmal mit in den Sommerurlaub zu nehmen, kann sich durchaus Gedanken darüber machen, ob eine porenlose Membran vielleicht angebrachter wäre.

Viele Kreationen und Technologien namhafter Marken funktionieren auf diesen beiden Prinzipien, wobei es auch Mischformen gibt. Wenn du also das nächste Mal im Laden stehst und du mit den Begriffen der neuen Technologien nichts anzufangen weißt, frag einfach mal nach, um was für ein System es sich genau handelt, das sollte dir dann eine gute Entscheidungshilfe liefern. Wenn du darüber noch Fragen hast, lass es uns wissen. Vielleicht können wir sie lösen – bis dahin!

 

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