Skitouren-Sicherheit: Wie du LVS-Gerät, Schaufel & Sonde richtig einsetzt

Personen überprüfen ein Lawinensuchgerät bei einer Skitour im Schnee.

Skitourengehen boomt – und damit wächst auch die Verantwortung. Moderne Ausrüstung ist großartig, aber sie ersetzt nicht das Wichtigste: Wissen, Erfahrung und regelmäßiges Training.

Wer abseits gesicherter Pisten unterwegs ist, sollte seine Notfallausrüstung blind beherrschen, den Lawinenlagebericht richtig interpretieren können und Touren selbstständig planen – anstatt sich nur auf GPS-Spuren oder Apps zu verlassen.

Im Folgenden findest du die wichtigsten Grundlagen für sichere Touren im Gelände

Sicherheit beginnt lange vor der Tour

Viele Tourengeher verlassen sich zu sehr auf die Technik. Doch kein Gerät der Welt ersetzt eine solide Vorbereitung. Der Lawinenlagebericht ist dein wichtigstes Dokument – und zwar der Text, nicht nur die Zahl der Gefahrenstufe. Hier erfährst du etwas über Schwachschichten, Triebschnee, Gefahrenzonen und die Entwicklung des Tages. Ebenso zentral ist die eigene Beobachtung: Windzeichen, frische Verfrachtungen, „Wumm“-Geräusche oder Risse in der Schneedecke sind oft wertvoller als jede App. Sicherheit ist ein Gesamtsystem: Es entsteht aus Planung, Beobachtung, Erfahrung – und erst dann aus Ausrüstung.

LVS-Gerät: Deine wichtigste Lebensversicherung

Das LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät) ist das Herzstück der Notfallausrüstung. Es sendet während der Tour und empfängt im Ernstfall das Signal verschütteter Personen.

Wichtige Grundlagen:

  • Trageweise: immer am Körper, nie im Rucksack.

  • Batterien: nur Alkali-Batterien (keine Akkus).

  • Typ: moderne 3-Antennen-Geräte erleichtern die Feinsuche enorm.

  • Training: nur wer regelmäßig übt, ist im Ernstfall schnell genug.

Störquellen vermeiden:

Besonders im Suchmodus kann elektronische Interferenz den Empfang stören. Wichtig sind ausreichend Abstand und das Befolgen der Herstellerangaben deines LVS-Geräts.

  • Smartphone (mind. 20–30 cm Abstand; im Suchmodus möglichst ausschalten oder im Flugmodus tragen)

  • Smartwatch (Abstand halten oder – wenn möglich – deaktivieren)

  • Powerbank, Funkgeräte

  • Actioncams

  • beheizbare Kleidung

Hinweis: Die genaue Störempfindlichkeit unterscheidet sich je nach LVS-Modell – immer die jeweiligen Empfehlungen beachten.

Die Sonde: Präzision im entscheidenden Moment

Wenn die LVS-Feinsuche beendet ist, kommt die Sonde ins Spiel. Sie bestimmt den exakten Punkt, an dem du graben musst.

Darauf solltest du achten:

  • Länge 240–280 cm

  • Robustes Material, idealerweise Aluminium; Carbon ist leicht, aber nicht immer so belastbar

  • Spannmechanismus, der sich mit Handschuhen bedienen lässt

Ein Treffer fühlt sich deutlich an – dann die Sonde stecken lassen und mit der Schaufel leicht talwärts versetzt ansetzen.

Ein Mann in Winterausrüstung hält eine blaue Lawinenschaufel im Schnee.

Die Schaufel: Hier werden Minuten zu Leben

Das Schaufeln ist der langwierigste Teil der Bergung – und der körperlich anspruchsvollste. Lawinenschnee ist hart wie Beton; ein Kubikmeter kann mehrere Hundert Kilo wiegen.

Tipps für effizientes Graben:

  • Immer talwärts versetzt beginnen, nicht direkt über der Sonde.

  • Mit Terrassen- oder Tunneltechnik arbeiten (stufenweise oder seitlich graben, um Kraft zu sparen).

  • In Gruppen: „Schneeförderband“ – vorne graben, dahinter Schnee weiterreichen.

  • Regelmäßig durchwechseln, um die Kräfte zu schonen.

Eine gute Schaufel (Alu, Teleskopstiel, ergonomischer Griff) ist Pflicht – Plastikmodelle gehören in keine Skitourenausrüstung.

Airbag-Rucksäcke: Hilfreich, aber keine Garantie

Airbags können eine Verschüttung verhindern oder die Tiefe reduzieren – aber sie ersetzen keinesfalls Vorsicht oder Ausbildung. Mechanische Systeme sind leicht und robust, elektronische punkten mit mehrfacher Auslösung und Selbsttestfunktion. Wichtig ist: Nur ein System, das du wirklich kennst, nützt dir im Ernstfall.

Trotz Airbag gilt: Nie riskanter fahren, nur weil man mehr Technik trägt.

Tourenplanung: Der wichtigste Schritt passiert zu Hause

Eine sichere Skitour beginnt nicht erst am Parkplatz, sondern schon bei der Planung zu Hause. Der Lawinenlagebericht liefert wichtige Hinweise zu Problemzonen wie Triebschnee oder Altschnee – und auch Wind, Temperatur und Sicht beeinflussen die Schneestabilität. Bei der Routenwahl lohnt es sich, Steilstufen, Geländefallen und sichere Alternativen im Blick zu behalten und immer einen Plan B für schlechtere Bedingungen parat zu haben. GPS-Tracks sind praktisch zur Orientierung, ersetzen aber niemals das Verständnis für Gelände und Kartenarbeit.

Verhalten im Gelände: Beobachten, anpassen, Abstand halten

Die beste Ausrüstung hilft wenig, wenn die Entscheidungen im Gelände nicht stimmen. Am sichersten ist man in kleinen, homogenen Gruppen. Hänge sollten einzeln befahren und das Gelände eigenständig beurteilt werden. Warnsignale wie Setzungsgeräusche oder frische Triebschneepakete muss man ernst nehmen – und Wild- sowie Schutzgebiete sind unbedingt zu respektieren. Klare Kommunikation mit festen Rollen, eindeutigen Ansagen und einem durchdachten Notfallplan sorgt dafür, dass die Gruppe im Ernstfall gut zusammenarbeitet.

Training & Ausbildung: Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand bist du

Ein LVS-Gerät allein rettet noch kein Leben – Sondieren und Schaufeln müssen unter Stress automatisch und effizient ablaufen. Regelmäßiges Training im Gelände, unter Zeitdruck oder in Kursen mit Bergführern macht die Gruppe fit für den Ernstfall. Da professionelle Retter oft erst nach 15–20 Minuten eintreffen, entscheidet das geübte, koordinierte Handeln der Gruppe über die Überlebenschance in den ersten kritischen Minuten.

Checkliste für deinen Rucksack

Klein, leicht, funktional – so sollte der Tourenrucksack gepackt sein.

Pflichtausrüstung:

Zusätzlich immer dabei:

  • Erste-Hilfe-Set

  • Biwaksack

  • Warme Ersatzschicht & Handschuhe

  • Stirnlampe

  • Handy + Powerbank (mit Abstand zum LVS)

  • Karte & Kompass / Tourenapp

  • Helm

  • Snacks & Flüssigkeit

Fazit: Wissen schlägt Technik – und Übung schlägt Wissen

LVS-Gerät, Schaufel und Sonde sind unverzichtbar – doch sie retten nur Leben, wenn du sie beherrschst. Gute Planung, ständige Beobachtung, starke Gruppenkommunikation und regelmäßiges Training sind die wahren Sicherheitsfaktoren im Gelände. Wer mit Umsicht plant, aufmerksam unterwegs ist und seine Skills pflegt, erlebt das Skitourengehen nicht nur intensiver, sondern auch sicherer.

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