Wintersport
Nachhaltig Skitourengehen: Mit Rücksicht auf Natur und Umwelt

“Nimm nur Erinnerungen mit, hinterlasse nichts außer Fußspuren.” Kaum ein Credo passt besser zu Skitouren als dieses. Wer durch eine frisch eingeschneite Winterlandschaft aufsteigt, spürt unmittelbar, wie sensibel dieser Naturraum ist.
Die sichtbaren Spuren im Schnee sind vergänglich – unser ökologischer Fußabdruck ist es nicht. Umso wichtiger ist die Frage: Wie nachhaltig ist deine Skitour wirklich?
Der Selbstcheck: Wie nachhaltig bist du unterwegs?
Nachhaltigkeit beginnt lange vor dem ersten Schritt im Schnee. Bereits die Anreise macht einen Unterschied – Öffentliche Verkehrsmittel, Fahrgemeinschaften oder kurze Wege helfen, Emissionen spürbar zu reduzieren. Auch bei der Tourenplanung ist ein bewusster Blick gefragt. Kennst du deine Route wirklich? Hast du dich über lokale Empfehlungen, Wildschutz- und Schongebiete informiert oder nach Alternativen zu stark frequentierten Hotspots gesucht? Wer sich diese Fragen ehrlich stellt, legt den Grundstein für eine nachhaltige Skitour.
Rücksicht unterwegs – für Tier und Mensch
Auf Tour gilt, die Hinweistafeln zu beachten, die bestehenden Aufstiegs- und Abfahrtsrouten zu nutzen und sensible Naturräume zu meiden. Besonders Wildtiere sind im Winter auf Ruhe angewiesen. Gämse, Rehe oder Hasen sparen Energie, weil Nahrung knapp ist – jede Störung kann für diese Tiere lebensbedrohlich sein. Ein Abstand von mindestens 300 Metern ist eine gute Faustregel. Das Füttern der Tiere ist absolut tabu. Freundlich, umsichtig und naturschonend unterwegs zu sein, schützt nicht nur die Tierwelt, sondern auch uns selbst.
Ausrüstung bewusst wählen
Gerade Einsteiger profitieren davon, Ausrüstung zu mieten, statt zu kaufen. Das schont Ressourcen und verhindert, dass kaum genutztes Equipment im Keller verstaubt. Je länger Ski, Schuhe und Kleidung genutzt werden, desto besser für Klima und Geldbörse. Nicht in jeder Saison neues Equipment zu kaufen, gehört zu den wirksamsten und zugleich unkompliziertesten Nachhaltigkeitsmaßnahmen.

Ist Skitourengehen nachhaltiger als Skifahren?
Pauschal mit „Ja“ beantworten kann man diese Frage nicht. Aber unter bestimmten Voraussetzungen kann Skitourengehen nachhaltiger als Skifahren sein. Vor allem der Verzicht auf energieintensive Liftanlagen und Pistenpräparierung macht Skitouren zur umweltbewussteren Alternative. Entscheidend ist aber, wie die Skitour ausgeführt wird. Unkontrolliertes Gehen abseits von ausgewiesenen Routen kann Wildtiere stören und Naturräume stark belasten.
Als nachhaltig gelten Skitouren vor allem in der Nähe von Ortschaften und Skigebieten, wo diverse Maßnahmen zum Schutz der Natur bereits etabliert sind. Schlussendlich liegt es also am Sportler selbst, ob die Skitour nachhaltig ein Erfolg oder eher ein Flop wird.
Müllfrei auf Tour
Was mit auf den Berg kommt, kommt auch wieder mit ins Tal. Das gilt für Verpackungen genauso wie für Essensreste. Auch beim Toilettengang ist Achtsamkeit gefragt. Denn Taschentücher verrotten langsam und tauchen im Frühjahr wieder auf. Müll gehört gut gesichert in oder an den Rucksack – idealerweise sammelt man sogar liegengebliebene Abfälle ein. Durch Kälte, UV-Strahlung und kurze Vegetationsperioden verrottet Müll am Berg nämlich deutlich langsamer als im Tal. Selbst organische Abfälle zersetzen sich oft nur bei bestimmten klimatischen Voraussetzungen.
Verrottungszeiten von Müll in alpinen Regionen (ungefähre Richtwerte)
- Papiertaschentuch: 1–5 Jahre
- Bananenschale: 1–2 Jahre (benötigt normalerweise tropisches Klima)
- Zigarettenstummel: 2–7 Jahre (verseucht den Boden und ist hochgiftig für Tiere)
- Blechdose: 50–500 Jahre (Verletzungsgefahr für Wildtiere)
- Plastikflasche: 100–5.000 Jahre (Weichmacher schädigen Boden und Gewässer)
- Kaugummi: 3–5 Jahre
- Babywindel: 500–800 Jahre

Skitourengehen kann eine nachhaltigere Alternative zum klassischen Skifahren sein. Wer umweltfreundlich anreist, Touren sorgfältig plant, Rücksicht auf Wildtiere und Natur nimmt und seine Ausrüstung verantwortungsvoll nutzt, leistet einen aktiven Beitrag zum Schutz sensibler alpiner Lebensräume. Nachhaltigkeit am Berg bedeutet dabei nicht Verzicht, sondern Achtsamkeit: gegenüber der Natur, anderen Menschen und sich selbst. So schützen wir die Natur und sorgen dafür, dass wir auch in Zukunft noch unberührte Winterlandschaften erleben dürfen


