INTERSPORT Wanderschuhe und ImprÀgnierspray

Autor: Ole Kliem | Lesezeit: 8 Minuten

Unterschiede zwischen wasserdichten und wasserfesten Schuhen

Im Alltag begegnen uns diese Begriffe ständig: wasserdichte Schuhe, wasserabweisende Bergschuhe oder wasserfeste Wanderschuhe. Doch welche Bedeutung haben sie eigentlich? Viele dieser Begriffe werden synonym füreinander benutzt, was den Alltagsgebrauch erschwert. 

Inhaltsverzeichnis

Wasserdicht vs. wasserfest?

In der Schuhwelt gibt es eine Vielzahl von Begriffen und Technologien. Einige wirst du sicherlich kennen, während andere so speziell sind, dass vermutlich nur die Entwickler:innen wirklich wissen, was sich dahinter verbirgt. 

Wasserfeste Schuhe und Kleidung:

Schuhe oder Textilien mit der Bezeichnung wasserfest bieten den geringsten Schutz gegenüber Nässe. Nicht richtig ist jedoch die Annahme, dass wasserfeste Wanderschuhe keinen Schutz bieten würden. Sie bieten lediglich eine geringere Wasserresistenz als Textilien, die als wasserdicht gelten. Die Grundlage von wasserfesten Textilien sind meist Kunstfasern wie Polyester und Nylon. Sie können im Gegensatz zu Baumwolle viel engmaschiger gewebt werden, wodurch eine gewisse Beständigkeit gegenüber Nässe erreicht wird. 

Im Gegensatz zu wasserdichten oder wasserabweisenden Textilien sind wasserfeste Stoffe häufig unbehandelt. Sprich sie weisen keine zusätzliche (wasserdichte) Membran auf und wurden nicht - sofern nicht anders ausgewiesen - thermisch oder chemisch behandelt. Wasserfeste Schuhe sind also von sich aus, dank der Kunstfasern und wie sie verarbeitet wurden wasserfest.

Wasserfeste Schuhe oder Textilien schützen dich so lange vor Nässe, wie das Material Feuchtigkeit aufnehmen kann. Bei andauerndem Starkregen läufst du Gefahr, irgendwann nass zu werden, da das Material nicht schnell genug trocknet.

Was bedeutet wasserdicht bei Wanderschuhen?

Die Entscheidungsgrundlage darüber, ob etwas wasserdicht ist oder nicht, liefert die Wassersäule. Sie gibt den (hydrostatischen) Druck an und beschreibt, wie viel Wasser (gemessen in mm) auf einer 1 Quadratmeter großen Fläche nötig ist, bis die Fläche - z.B. das Textil - wasserdurchlässig wird. Die Wasserdichtigkeit wird als EU-Norm unter der Ziffer EN 343 geführt und in den Klassen 1-3 angegeben. 

  • Klasse 1: -
  • Klasse 2: > 800 mm
  • Klasse 3: > 1.300 mm

Abgeleitet von der EU-Norm dürfen also Textilien für Wanderschuhe, Regenjacken oder Zelte bereits ab einer Wassersäule von 800 mm als wasserdicht bezeichnet werden. Doch nur weil die EU-Norm sagt, dass etwas wasserdicht ist, muss das nicht unserem Alltagsverständnis von Wasserdichtigkeit entsprechen: 

  • Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMP) in der Schweiz spricht erst ab einer Wassersäule von 4.000 mm von einem wasserdichten Textil

Ob ein Schuh als wasserdicht gilt, hängt demnach sowohl von der Prüfanstalt als auch von der Prüfmethode ab. Die benötigte Wassersäule steht im unmittelbaren Verhältnis zur Tätigkeit.

Wasserabweisend:

Wasserabweisend wird ein Stoff, wenn er zusätzlich noch chemisch oder thermisch behandelt wird. Dadurch bekommt der Stoff den bekannten Effekt, dass das Wasser - aber auch der Schmutz - abperlt. Die bekannteste Behandlung bzw. Imprägnierung ist die DWR Imprägnierung (Durable Water Repellency). Übersetzt steht sie für “dauerhafte Wasserabweisung”. Je nach Marke kann die Zusammensetzung der Chemikalien und Technologien variieren, um den DWR-Effekt hervorzurufen. Eine DWR Imprägnierung wird häufig in Kombination mit einer wasserdichten Membran wie der von Gore-Tex oder Sympatex oder wasserfesten Materialien verwendet. Diese beugt dem Vollsaugen des Außenmaterials vor. Wenn das Wasser also nicht mehr von den neuen Wanderschuhen oder der neuen Regenjacke abperlt und sich das Außenmaterial vollsaugt, ist das kein Grund, in Panik zu verfallen. Die eigentliche wasserdichte Membran liegt unter dem Außenmaterial und hält den Fuß trotzdem trocken. Das Gute ist, dass sich eine wasserabweisende Imprägnierung erneuern oder auftragen lässt.

Was macht wasserdichte Schuhe eigentlich wasserdicht?

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass alleine das Außenmaterial dafür sorgt, dass ein Schuh wasserdicht ist. Das eigentliche Technikwunder ist hingegen die im Innenschuh verwebte Membran. Textilmembranen werden in zwei Kategorien unterschieden:

  • mikroporöse Membran (z.B. Gore-Tex)
  • porenlose Membran (z.B. Sympatex)

Beide Membranen versuchen die Feuchtigkeit schnell von der Innenseite des Schuhs nach außen zu transportieren, während das Eindringen von Feuchtigkeit von außen verhindert wird. Somit bleibt die Atmungsaktivität des Außenmaterials erhalten, während kein Wasser mehr eindringen kann.

Mikroporöse Membran (z.b. Gore-Tex):

Eine mikroporöse Membran wie sie von Gore-Tex hergestellt wird, arbeitet mit einer Schicht aus Poren. Durch die Körperwärme entsteht im Inneren des Schuhs ein (Über)Druck, welcher dazu führt, dass Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf durch die Poren der Membran nach außen transportiert wird. Wassertropfen sind hingegen zu groß, als dass sie von außen durch die Poren wieder eindringen könnten. Schuhe mit einer Gore-Tex Membran sind meist wie folgt aufgebaut:

  1. Schützendes Mesh Material, welches unterhalb des Obermaterials liegt.
  2. Die eigentliche mikroporöse Membran.
  3. Eine Stoffschicht, die auf der Innenseite des Schuhs liegt und so konzipiert ist, dass sie den Schweiß unmittelbar großflächig verteilt. Dadurch wird sichergestellt, dass die komplette Fläche der Membran die Feuchtigkeit abtransportiert und nicht, dass die Membran punktuell überlastet wird.

Vor- und Nachteile von Schuhen mit einer (mikroporösen) Gore-Tex Membran:

  • Der Flüssigkeitstransport passiert unmittelbar – also nicht zeitverzögert
  • Gutes Fußklima bei niedrigen Temperaturen
  • Je höher die Außentemperatur, desto träger wird der Feuchtigkeitstransport. Da das Druckgefälle niedriger ist.
  • Ein kaputte (Schuh)Membran ist irreparabel

Porenlose Membran (z.B.: Sympatex):

Anders als bei der mikroporösen Membran gibt es bei Schuhen mit einer Sympatex Membran keine Poren. Porenlose Membranen wie die von Sympatex arbeiten mit zwei Materialeigenschaften:

  • hydrophilem Gewebe (wasserliebend bzw. wasseranziehend)
  • hydrophobem Gewebe (wasserabstoßend)

Beide Materialien sind so miteinander verwebt, dass sie die Feuchtigkeit auf der Innenseite des Wanderschuhs aufnehmen und dann nach außen hin abgeben. Dadurch, dass das hydrophobe - also wasserabstoßende - Gewebe auf der Außenseite, aber unterhalb des Obermaterials liegt, kann kein Wasser eindringen.

Vor- und Nachteile von Schuhen mit einer (porenlosen) Sympatex Membran:

  • Der Feuchtigkeitstransport funktioniert immer und wird nicht durch die Außentemperatur beeinflusst
  • 100 % recyclebar
  • Winddicht
  • Der Feuchtigkeitstransport ist zeitverzögert

Was ist die Wassersäule?

Die Wassersäule beschreibt den Druck auf ein Textil, bis es Wasser durchlässt. Man spricht in diesem Fall von hydrostatischem Druck. Je höher die Wassersäule ist, desto dichter ist auch das Material. Gemessen wird dabei der Wasserdruck auf eine 1 Quadratmeter große Fläche, bis sich erste Tropfen auf der Unterseite bilden. Eine Wassersäule von 1.000 mm entspricht einem Druck von ungefähr 0,1 Bar.

Die Wassersäule für Wanderschuhe:

Anders als bei Regenjacken, wo die Wassersäule angeführt wird, ist es bei Schuhen ein bisschen schwieriger. Einfach aus dem Grund, weil sie seitens der Marken kaum angegeben wird.

Der Hauptgrund liegt in der Konstruktion: Die Membran einer Regenjacke wird lediglich von einem feinen, leichten Obermaterial überzogen. Somit ist der Wasserdruck auf die Membran einfacher messbar.  Die Membran eines Wanderschuhs wird von einem harten und steifen Obermaterial umschlossen. Somit verändert sich natürlich auch der Druck auf die Membran. Die Messung des Drucks gestaltet sich entsprechend schwierig. Je mehr Gewicht oder Druck von oben auf einen Wanderschuh wirkt, desto höher muss auch die Wassersäule sein. Bergschuhe mit einer Gore-Tex oder Sympatex Membran haben mindestens eine Wassersäule von 10.000 mm und gehen - abhängig von der Art der Membran - hoch bis auf 45.000 mm. Auch wenn die konkrete Wassersäule nicht mit angegeben ist, kannst du davon ausgehen, dass ein wasserdichter Wanderschuh mit entsprechender Membran mindestens eine Wassersäule von 10.000 mm aufweist.

Wann ist ein Schuh nicht mehr wasserdicht?

Nur weil im Inneren deines Bergschuhs eine Membran verwebt ist, bedeutet es nicht, dass diese unantastbar ist. Im Folgenden werden wir dir ein paar Ursachen nennen, die dazu führen können, dass du trotz Membran nasse Füße bekommst:

  • Beschädigungen der Membran: Wenn du beim Wandern das Außenmaterial beschädigst, indem z.B. ein Dorn den Schuh und die Membran durchbohrt, kann diese das Wasser nicht mehr abhalten. Nasse Füße sind die Konsequenz. Eine durchstochene Membran gilt als irreparabel. 
  • Aufgetragene Membran: Ein Phänomen, welches man hin und wieder bei Kinderschuhen beobachtet ist, dass die Membran im Zehenbereich ausgeleiert ist. Dadurch kann Wasser eindringen. Wenn die Schuhe zu klein werden, reiben die Zehen ständig in der Zehenbox am Innenschuh, was dazu führen kann, dass die Membran Schaden nimmt. Äußerlich lässt sich das nicht feststellen und wird erst sichtbar, wenn man den Schuh auseinander nimmt.
  • Veraltete Imprägnierung: Wasserfeste Schuhe mit einer wasserabweisenden Schicht/Imprägnierung müssen, um langfristig wasserabweisend zu bleiben, gepflegt werden. Die aufgetragene Imprägnierung lässt mit der Zeit nach, sodass das Wasser nicht mehr abperlt. Im Gegensatz zu einer kaputten Membran lässt sich das allerdings wieder beheben. Wie das geht, zeigen wir dir hier.
  • Die Kapillarwirkung: Durch den Effekt der Kapillaraszension kann es beim Wandern dazu kommen, dass deine Füße trotz intakter Membran nass werden. Dieses Phänomen lässt sich hin und wieder bei tief ausgeschnittenen Schuhen beobachten. Im nassen Gras sorgt die Kapillarwirkung dafür, dass die Feuchtigkeit über das Außenmaterial nach oben steigt und über den Schuhkragen in den Innenschuh wandert.

Wie kann man Schuhe wasserfest machen?

Die Formulierung “einen Schuh wasserfest machen” ist in diesem Zusammenhang ein wenig irreführend:

  • Nach unserer Definition zum Begriff wasserfest hätte dies zur Folge, das Außenmaterial des Schuhs durch ein wasserfestes Außenmaterial zu ersetzen. Man müsste also den Schaft eines Schuhs austauschen und das ist vermutlich teurer als die Anschaffung eines neuen Schuhs.
  • Auch einen Wanderschuh wasserdicht zu machen, gestaltet sich als schwierig, weil man dazu einen Innenschuh mit einer mikroporösen oder porenlosen Membran einsetzen müsste.
  • Durchaus möglich ist allerdings das Erneuern oder Auftragen einer wasserabweisenden Schicht. Im Alltag sprechen wir davon, den Wanderschuh oder die Regenjacke zu imprägnieren. Da es sich dabei um eine zusätzliche (chemische) Schicht auf dem Außenmaterial handelt, kann diese durch eine Sprüh- oder Wasch-Imprägnierung aufgetragen werden. Wie das bei Wanderschuhen geht, zeigen wir dir hier.

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