Skitourengeher im verschneiten Gebirge

Autor: Ole Kliem | Lesezeit: 7 Minuten

Was braucht man zum Skitourengehen: Die richtige Ausrüstung und was du auf keinen Fall vergessen solltest!

Kaum eine andere Wintersportart boomt wie das Skitourengehen. Immer mehr Sportler:innen entziehen sich den Liftschlangen und erkunden die Berge auf eigene Faust. Kein Wunder, die Vorteile, die sich beim Skitourengehen hervortun, scheinen endlos. Im heutigen Blogbeitrag über das Thema Skitouring widmen wir uns der Ausrüstung, welche Unterschiede es gibt und was du z.B. gerade zu Beginn brauchst, bzw. auf was du achten solltest. Let’s go!

Skitouringski

Die wohl offensichtlichste Frage vorweg ist die nach dem richtigen Paar Ski. Tourenski, die als solche ausgeschrieben sind, sind meist leichter. Dadurch hast du den Vorteil, beim Bergaufgehen weniger schnell aus der Puste zu geraten und hast später genügend Kraft beim Ritt ins Tal. Skitouringski lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen:

Skitourengeher bei der Vorbereitung
  • Klassische Skitouringski: Die wohl verbreitetsten Touringski-Modelle weisen eine Mittelbreite zwischen 80-90 mm auf und sind, was ihre Auf- und Abstiegs-Performance angeht ziemlich ausgeglichen. Sie richten sich in erster Linie an Genusstourengeher:innen und für Pistentouren.
  • Freetouring: Touringski der Kategorie Freetouring weisen eine Mittelbreite von über 90 mm auf und sind eher abfahrtsorientiert. Im Gegensatz zu den klassischen Skitouring Modellen haben sie einen ausgeprägten Rocker, was in Verbindung mit der weiten Mittelbreite im Tiefschnee für viel Auftrieb sorgt. Das deutliche Plus an Abfahrts-Perfomance geht allerdings auch mit einem schwereren Ski einher.
  • Raceorientiert: Tourenski die raceorientiert sind, sind darauf aus, Bestzeiten bergauf zurückzulegen. Aus diesem Grund sind sie besonders schmal und kurz – somit um einiges leichter. So sparst du dir einiges an Kraft in den Beinen beim Bergaufgehen und auch Spitzkehren lassen sich mit kürzeren Skiern besser bewältigen. Touringski dieser Kategorie sind allerdings so leicht, kurz und schmal, dass die Abfahrt mit ihnen kein Vergnügen ist. Sogar Profis haben ihre Probleme, wenn es darum geht, einen raceorientierten Touringski ins Tal zu fahren.

Die Wahl deiner Touringski richtet sich wie bei allen anderen Skimodellen nach deinen Vorlieben, was die geplanten Touren angeht, deinem Können und deinem Fahrstil. Wenn du eine Übersicht über alle anderen Skimodelle suchst, können wir dir den Artikel: Welche Ski gibt es und welcher Skityp passt zu mir empfehlen.

Wie groß sollen meine Tourenski sein?

Wie bei vielen anderen Ski-Modellen auch gibt es bei den Touringski keine Einheitsgröße. Die wichtigsten Faktoren für die Auswahl der Länge deiner Touringski sind deine Körpergröße, dein Können und das Gelände, in dem du dich bewegen wirst. Zum Verständnis haben wir dir eine kleine Tabelle hinzugefügt:

Skityp Anfänger:in Intermediate Expert:in
Klassische Tourenski Körpergröße -5 cm Körpergröße Körpergröße
Freetouring Körpergröße -5 cm Körpergröße Körpergröße +5 cm
Freeride & Big Mountain Körpergröße Körpergröße +5 cm Körpergröße bis 10 cm drüber hinaus

Welches Skifell brauche ich zum Skitourengehen?

Das Skifell, auch Steigfell genannt, ist wohl mit der wichtigste Gegenstand deiner Ausrüstung, den du beim Skitouring brauchen wirst. Sie sind der Grund dafür weshalb du beim Weg bergauf nicht wieder rückwärts ins Tal rutscht. Steigfelle sind entweder aus Natur- oder aus synthetischen Kunstfasern. Kunstfasern aus Nylon sowie Naturfasern vom Fell der Angoraziege nehmen wenig Wasser auf, was sie besonders zum Skitourengehen eignet. Die einzelnen Faser sind so angeordnet, dass sie nach vorne gleiten, ohne dass das Steigfell zurückrutscht. In diesem Zusammenhang wird von Gleit- und Bremsrichtung gesprochen.

Skitourengeher beim Skifell abziehen
  • Die Naturfelle von der Angoraziege nehmen kein Wasser auf, weshalb auch das bekannten Problem des Stollens (Das Festkleben von Schnee am Fell) ausbleibt. Auch sind die Fasern temperaturunabhängig, wodurch die Gleit- und Bremseigenschaften konstant bleiben. Naturfelle sind jedoch nicht so langlebig wie Felle aus Synthetik und auch teurer.
  • Kunstfelle aus Synthetikfasern sind die häufigsten Begleiter am Berg. Gegenüber den Naturfellen sind sie günstiger und halten länger. Zudem sind die Steigeigenschaften solcher Felle besser bei harschen Bedingungen, auch wenn dieser eher zum Stollen neigen.

Es gibt jedoch auch Mischvarianten auf dem Markt, wo der größere Anteil meist Naturfell ist. Zu nennen wäre da die Marke Kohra.

Sollten deine Felle noch nicht zugeschnitten sein, musst du dies selber tun – aber keine Angst, der Vorgang ist simpel, wenn du auf ein paar Dinge achtest. Der Ski muss nach vorne gleiten und so muss auch das Fell zum Schneiden aufgelegt werden. Beachte beim Schneiden zusätzlich, dass die Skikanten freiliegen müssen. Häufig werden spezielle Cutter mitgeliefert, die richtig angesetzt, automatisch 1-2 mm „zu viel“ von der Kante abschneiden.

Während häufig noch Fellkleber für den perfekten Sitz am Belag sorgt, sind immer mehr Technologien auf dem Vormarsch, die unter anderem mit einem Vakuum arbeiten und eben ohne Kleber auskommen. 

Die richtigen Skistöcke zum Skitourengehen

Skitourengeher im Gerbirge

Der optimale Skistock zum Tourengehen ist in der Länge verstellbar. So kannst du ihn den Bedingungen vor Ort entsprechend anpassen – häufig verwendete Systeme sind Teleskopstöcke mit einer kleinen Klemme oder welche zum Drehen. 

Ein weiterer Punkt, auf den du achten solltest, ist die Grifffläche bzw. deren Länge. Beim Alpinskifahren ist der Griff meist handbreit. Beim Tourengehen kann es aber durchaus von Vorteil sein, wenn du die Skistöcke variabel in der Höhe greifen kannst, ohne die Länge selbst zu verstellen. Wenn du beispielsweise Spitzkehren gehst, wird der Skistock der Hang zugeneigten Seite immer höher aufliegen als der Stock der Hang abgeneigten Seite. Ziel ist es jedoch, die Hände immer auf gleicher Höhe neben dem Körper zu haben.

Mit einer längeren Grifffläche kannst du nun deine Griffhöhe variieren, ohne die eigentliche Länge des Skistocks zu verändern.

Welche Touringschuhe zum Skitourengehen?

Der wichtigste Aspekt eines Touringskischuhs ist der Walking-Mode. Er entsperrt den Schaft des Skischuhs, wodurch du einen viel größeren Bewegungsradius erhältst. Je nach Performance Bereich (abfahrts- oder aufstiegsorientiert) fallen die unterschiedlichen Modelle leichter oder schwerer sowie weicher oder härter aus. Moderne Touringschuhe sind darüber hinaus mit den Pinbindungen kompatibel und haben vorne wie hinten Einkerbungen, in denen die Pins Halt finden. Eine gummierte Sohle sorgt zusätzlich für einen besseren Stand, solltest du im Gelände Passagen kletternd zurücklegen müssen.

Touringschuhe in Pin-Bindung
  • Abfahrtsorientierte Touringschuhe werden bspw. einen höheren Flexwert (ca. 130) und Schaft haben, wodurch sie die Kräfte direkter und besser zur Schwungeinleitung auf den Ski bringen können. Hier musst du dann ein entsprechend höheres Gewicht beim Skischuh in Kauf nehmen.
  • Aufstiegsorientierte Skischuhe hingegen sind leichter und haben häufig einen niedrigeren Schaft. Durch einen kurzen Schaft bekommst du einen größeren Bewegungsradius, wodurch du im Gelände größere Schritte zurücklegen kannst. Allerdings sind Touringskischuhe dieser Kategorie in der Abfahrt instabiler.

Welche Skitourenbindung zum Skitourengehen

Beim Thema Skitourenbindung scheiden sich einige Geister: Während viele noch an ihren Rahmenbindungen festhalten, scheint die Industrie immer größeren Gefallen an den Pin-Bindungen zu finden.

  • Die alten Rahmenbindungen sind zwar um einiges schwerer als vergleichbare Pin-Bindungen, gelten aber teilweise auch als stabiler, da sie die Kraft besser auf den Ski bringen.
  • Die neuen Pin-Bindungen sind im Gegenzug um einiges leichter, was sich auf dem Weg zum Gipfel bemerkbar macht. Zusätzlich ist der Rotationspunkt der Pins dem des normalen Gehens viel näher, wodurch sich die Bewegung „leichter“ anfühlt.

Was auf Skitouren anziehen: Skibekleidung zum Skitourengehen

Ein wichtiger Aspekt, wenn es um das Wohl beim Skitourengehen geht, ist die Frage nach der richtigen Skibekleidung. Das Zwiebelprinzip hilft dir da natürlich grundsätzlich, deine Körpertemperatur selbstständig zu regulieren. Beim anstrengenden Marsch hinauf wirst du einige Layer im Rucksack verstauen können, während der Griff zur warmen Daunenjacke am Gipfel womöglich unumgänglich bleibt. Gefühlt gibt es am Berg die Softshell-Profis und die, die die „normale“ Skibekleidung tragen:

Skitourengeher beim Aufstieg im Gebirge
  • Softshell Hose und Jacke: Die atmungsaktiven Softshell-Materialien eignen sich für sportliche Touren, an denen mit keinem schlechten Wetter zu rechnen ist. Besonders am Ende der Saison sind sie vielerorts anzutreffen. Softshell Skihosen und-jacken sind flexibler und bieten einen hohen Komfort.
  • „Hardshell“ Skihose und -jacke: Wer unter allen Wetterbedingungen Skitouren gehen will und sich auch vor stürmischem Schneefall schützen möchte, findet keinen Weg an Hardshell Skibekleidung vorbei. Sie sind wasserfester und trotzen jeder Witterung. Allerdings kann es einem in so einer Skijacke oder – hose auch schnell mal zu warm werden, weshalb du darauf achten solltest, dass die Hose bspw. lange Reißverschlüsse für eine gute Belüftung bietet.

Sicherheit am Berg

Ein leider häufig unterschätztes Thema am Berg ist die Sicherheitsausrüstung und wie man diese benutzt. Nur der richtige Umgang schützt in einem Extremfall und hilft dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen, die mitunter lebenswichtig sein könnten. 

LVS Gerät

LVS Gerät:

Ein LVS Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät) ist wohl das wichtigste Bestandteil deiner Ausrüstung. Es dient dir dazu im Falle einer Lawine gefunden zu werden oder andere Verschüttete zu orten. Aus diesem Grund ist es unverzichtbar, das LVS am Körper und nicht im Rucksack zu tragen! Checke vor jeder Tour, ob die Batterien geladen sind und kontrolliert euch zu Beginn gegenseitig, ob alle Geräte senden. Ein gutes LVS-Gerät verfügt über 3 Antennen und hat eine Reichweite von ca. 40 Metern. Gute Geräte bieten zusätzlich noch die Funktion, bei Mehrfachverschüttungen, Personen zu markieren und die Suche fortzusetzen.

Sonde

Sonde:

Die Sonde hilft beim Punktierungen einer verschütteten Person und besteht aus mehreren, mit einer Schnur verbundenen, Alu, Titan oder Carbon Stangen. Sie kommt im Fall einer Verschüttung als letztes bei der Punktsuche zum Einsatz und dient dazu, den genauen Standpunkt und die Verschüttungstiefe festzustellen. 

Lawinen-Schaufel

Schaufel:

Wurde die verschüttete Person punktiert und die Tiefe festgestellt, kommt die Schaufel zum Einsatz. Eine Lawinenschaufel ist aus Carbon, Aluminium oder hartem Kunststoff. Alle Lawinenschaufeln eignen sich natürlich gleich gut aber es gibt natürlich Materialien, die einfach leichter mitzuführen sind. Einfache Steck- oder Teleskopverbindungen sorgen dafür, dass die Schaufel in jeden Rucksack passt.

Lawinenrucksack

Lawinenairbag Rucksack:

Sogenannte Lawinenrucksäcke liegen im Trend, auch wenn sie nicht zur Standardausrüstung beim Skitourengehen oder Freeriden gehören. Der Airbag, der sich entweder durch eine Gaskatusche oder ein elektrisches Gebläse binnen Sekunden aufbläst sorgt für ein größeres Volumen, was dabei helfen soll, bei einer Lawine obenauf zu schwimmen und nicht verschüttet zu werden. Bedenke jedoch, dass ein Lawinenrucksack kein Freifahrtsschein für jeden Tiefschneehang ist. Vielmehr ist es eine zusätzliche Lebensversicherung, die im Notfall über Leben und Tod entscheiden kann!

Rucksack zum Skitourengehen

Skitourengeher bei Abfahrt im Tiefschnee

Um alle Ausrüstungsgegenstände fachgerecht zu verstauen, ist ein Rucksack von Vorteil. Rucksäcke mit einem Fassungsvermögen von 20-25 Litern reichen aus, um neben der Sicherheitsausrüstung genügend Platz für zusätzliche Klamotten, Flüssigkeit und Snacks zu bieten. Ein spezieller Rucksack zum Skitourengehen unterscheidet sich gegenüber anderen Exemplaren vor allem in den Möglichkeiten, sperriges Zubehör zu befestigen oder eben der Möglichkeit einen Airbag zu integrieren.

Schlaufen an der Seite oder am Rücken, können dabei helfen, Eisäxte, einen Helm oder die Ski zu befestigen, solltest du bei gewissen Passagen klettern müssen.

Auch ein Skitourenhelm gehört zur Ausrüstung:

Skitourengeher im Gebirge

Alle, die sich auf Skiern bewegen, sollten auf einen Helm zurückgreifen. Schließlich kann überall etwas passieren. Helme zum Skitourengehen sind gewichtsoptimiert und unterliegen nicht den Din-Normen, welche für „normale“ Alpinskihelme gelten.

Ein gewichtsoptimierter Skitourenhelm legt großen Wert auf eine gute Belüftung. Große Polster wie an den Ohren sind abnehmbar oder gar nicht erst verbaut. Skitourenhelme halten also auch weniger warm!

Durch weniger verbautes Material schützen sie eine kleinere Fläche vom Kopf wie Alpinski-Helme.

Hier endet unser Ausflug in die Welt der Skitouren-Ausrüstung und was es für Unterschiede bei gewissen Punkten hinsichtlich des Materials gibt. Wir haben dir unten noch eine kleine Packliste zum Skitourengehen hinzugefügt. Die Gegenstände können natürlich variieren aber es ist immer gut, eine Übersicht darüber zu haben, was andere mitnehmen. Eventuell sind Punkte auf der Packliste, an die du zuvor gar nicht gedacht hast.

Unsere Skitouring Packliste für einfache Tagestouren:

Das könnte dich auch interessieren:

Zurück zur Übersicht