INTERSPORT Blog | 23. Juni 2020 | Lesezeit: 7 Minuten

Welchen Wanderschuh brauche ich?

Inhaltsverzeichnis

Ein fester Bergstiefel hat auf einer Wanderung über Wiesenwege mindestens so viel verloren wie Flip Flops auf dem Klettersteig. Die Frage nach dem perfekten Wanderschuh wird häufig gestellt, eine Pauschalantwort schwierig – unsere Füße sind mindestens so unterschiedlich wie die Touren, die wir vorhaben zu unternehmen. In diesem Blogbeitrag werden wir dir zwar nicht den perfekten Wanderschuh auf dem Silbertablett servieren können aber wir geben unser Bestes, dir eine Übersicht über die gängigen Kategorien zu geben. Solltest du dann in einem Shop und vor der Entscheidung stehen, dir einen Wanderschuh zu kaufen, hast du schon eine ungefähre Ahnung, in welche Richtung es geht.

Um Wanderschuhe für Konsumenten greifbarer zu machen, haben verschiedene Hersteller versucht, ihre Produkte zu kategorisieren. Keine so schlechte Idee mag man meinen. Doch wenn jeder Hersteller eine andere Skala oder Tabelle nutzt, um seine Produkte verständlicher zu machen, bringt das dem Kunden nicht unbedingt viel. Bevor wir nun zu einigen gängigen Wanderschuhtypen kommen, zeigen wir dir kurz, worauf es bei einem Wanderschuh ankommt.

Allgemeines über Wanderschuhe

Im Gegensatz zu herkömmlichen Schuhen weisen Wanderschuhe einige Merkmale auf, die sie von anderen Schuhen unterscheiden. Die wichtigsten Punkte sind wohl das Profil und die Gummimischung. Beides beeinflusst sich gegenseitig und sorgt dafür, dass du in jeder Situation genügend Grip hast. Normale Schuhe oder Laufschuhe setzen voraus, dass der Fuß (normal) über die ganze Fläche abgerollt wird. Guter Halt ist somit ein Resultat aus der Sohle im Ganzen. Ein Wanderschuh hingegen muss in der Lage sein, auf einer wesentlich kleineren Auflagefläche sicheren Halt zu generieren. Was im Flachen noch nicht unmittelbar spürbar ist, kann spätestens bei steinigem oder verwurzeltem Untergrund lebensrettend sein. Je anspruchsvoller das Gelände, desto härter wird auch die Gummimischung. Wenn die Sohle zuvor noch aus einer weichen Gummimischung bestand um sich dem weichen Waldboden und kleineren Wurzeln anzupassen, muss die Gummimischung im alpinen Gelände schon einiges mehr einstecken können, ohne das einem die Füße schmerzen. Neben der härteren Gummimischung verändert sich auch die Form des Schuh. Je exponierter das Gelände wird, desto höher wird der Schaft des Schuhs. Auch wenn er dich erst einmal in der Bewegungsfreiheit einschränkt, garantiert er doch eine sichere Überquerung von spitzen und losen Steinen, ohne aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Alle weiteren Features sind tourenspezifisch und richten sich danach, unter welchen Wetterbedingungen die vorhast zu wandern, ob die Temperaturen extrem warm oder kalt sind oder aber, ob der Schuh neben deinem Gewicht auch noch das Gewicht eines Rucksacks für Touren über mehrere Tage bewältigen muss.

Als eine der bekanntesten Skalen gilt die Kategorisierung von Wanderschuhen nach dem Modell des deutschen Traditionsunternehmens Meindl, welches ihre Modelle in 6 verschiedene Kategorien (A, A/B, B, B/C, C, D) unterteilt. Es gibt aber genauso noch den Lowa-Index mit den Werten 1-6 oder eben die Unterteilung nach den Begrifflichkeiten, wobei hier viele Begriffe umgangssprachlich auch Synonym verwendet werden. Ein A in der Meindl-Skala ist eine 6 im Lowa-Index und beschreibt grundsätzlich leichte Freizeit(Wander)schuhe). Die extremsten Vertreter unter den Wanderschuhen sind die Expeditionsstiefel (Kategorie D bzw. 1). Hier sind alle aufgelistet:

Skala nach Meindl

Skala nach Lowa

Beschreibung

Gelände- & Tourentyp

A

6

Leichte Wanderschuhe

Leichte Wanderungen im flachen Gelände; befestigte Wege, Tourengepäck

A/B

5

Hohe Wanderschuhe

Leichte Wanderungen im Mittelgebirge; befestigte Wege; hin und wieder steil, Tagesgepäck für bis zu einer Hüttenübernachtung

B

4

Klassischer Trekkingschuh

Wanderungen im alpinen Raum; mehrtägige Wanderungen auf steinigem Untergrund

B/C

3

Schwere Wanderschuhe/ schwere Trekkingstiefel

Mehrtägige Wanderungen im alpinen Gelände entlang schlechter Pfade auf steilem und steinigem Untergrund (teilweise steigeisentauglich)

C

2

Bergstiefel/Hochgebirgsschuh

Mehrtägige Touren im hohen alpinen Gelände; teils wintertauglich; steigeisentauglich; für gesicherte schwierige Steige

D

1

Expeditionsstiefel/ (ultimativer) Hochgebirgsschuh

Schuhe für die höchsten und schwierigsten Berge; hier gibt es keine Wanderschilder geschweige denn Wege; für extremes Wetter; teilweise herausnehmbarer Innenschuh


Leichte Wanderschuhe:

Wanderschuhe dieser Kategorie (A oder 1) sehen noch nicht wirklich wie typische Wanderschuhe aus. Sie richten sich vor allem an all jene, die auf befestigten Wegen oder mal im Park unterwegs sind. Sie sind auch eher als sportlicher Alltagsschuh zu verstehen, den man mit auf Reisen nehmen oder zum Walken anziehen kann. Wir kennen sie auch unter dem Begriff der Halbschuhe. Sie haben gerade so viel Dämpfung haben, dass ein Tagesrucksack bequem mitgenommen werden kann.

Hohe Wanderschuhe:

Die hohen Wanderschuhe (A/B oder 2) gelten als Einsteigermodelle unter den Wanderschuhen. Optisch sehen sie schon eher nach einem typischen Wanderschuh aus. Im Gegensatz zu Schuhen der Kategorie A sind die Sohlen deutlich steifer, was für leichte Wanderungen im Mittelgebirge oder im Voralpenraum optimal ist. Der Untergrund ist dabei größtenteils befestigt, wobei das Gelände auch mal steiler werden kann – schließlich wollen auch ein paar Höhenmeter zurückgelegt werden. Die hohen Wanderschuhe bieten ausreichend Dämpfung, um Gepäck für eine ausgedehnte Tagestour mitzuführen oder um eine Nacht auf der Hütte zu verbringen.

„Klassischer“ Trekkingschuh:

Beim klassischen Trekkkingschuh (B oder 3) haben wir es mit einer Modellreihe für ausgedehnte Touren sowie bequeme Wanderrouten im alpinen Gelände zu tun. Das bedeutet, dass es durchaus mal vorkommen kann, dass der Untergrund steinig ist oder Wegstrecken über loses Geröll zurückgelegt werden müssen. Die Dämpfung der Sohle ist so ausgelegt, dass auch Gepäck für Mehrtagestouren mitgenommen werden kann.

Schwerer Wanderschuh / schwerer Trekkingstiefel:

Schwere Wanderschuhe der Kategorie B/C oder 4 sind die perfekten Begleiter für ambitionierte Trekkingabenteuer im mittleren alpinen Gelände. Die Touren gehen bis ins Hochgebirge und verlaufen entlang schlechter (steiler) Pfade, Trails, Geröllwege und Klettersteige. Wir sprechen hier von Touren um und bei 3500 Metern, wobei hier auch schon Steigeisen am Schuh verwendet werden können.

Bergstiefel / Hochgebirgsschuh:

Stiefel der Kategorie C oder 5 sind für alpine Touren mit grobem und steilem Untergrund ausgelegt – ein Weg ist hier nicht immer erkennbar. Die Schuhe dieser Kategorie lassen sich auch bei kalten mehrtägigen Bergtouren tragen und erlauben die Befestigung von Steigeisen. Die Schuhe weisen eine sehr hohe Schnürung auf sowie eine extrem steife Sohle, um auch an den kleinsten Kanten genug Halt zu finden.

Expeditionsstiefel / (ultimativer) Hochgebirgsschuh:

Wer auf den Mt. Everest will oder zumindest vorhat, sich in Höhenlagen über 5000 Metern aufzuhalten, findet den richtigen Schuh unter den Expeditionsstiefeln der Kategorie D bzw. 1. Egal, ob Weg vorhanden oder nicht, mit diesem Schuh kommt man überall hoch. Sie sind besonders für Hochgebirgstouren am Gletscher und eisige Touren geeignet und sind darüber hinaus steigeisenfest. Einige Modelle verfügen noch über herausnehmbare Innenschuhe für extreme Kälten.

 

Wir hoffen, dir mit dieser kleinen Übersicht, einen Einblick in die Welt der Wanderschuhe gegeben zu haben. Welchen Schuh du aber brauchst, hängt von deinen Touren ab, die du diesen Sommer geplant hast. Hinter jeder dieser Kategorien gibt es dutzende Modelle von verschiedenen Herstellern, wobei einige wiederum besonders wasserfest sind oder besonders leicht. All das sind Ausstattungsmerkmale, die du für dich beantworten musst. Wer beispielsweise vorhat, mehrtägige Wanderabenteuer in Skandinavien oder Schottland zu machen, legt vermutlich mehr Wert auf einen klassischen Trekkingschuh, der zusätzlich besonders wasserfest ist, während jemand, der in Italien am Gardasee wandert, eventuell ein leichtes und luftigeres Modell bevorzugt.

Letzten Endes führt aber kein Weg am Shop vorbei, denn, wie oben schon erwähnt, sind Füße genauso unterschiedlich wie die Wanderschuhe und die damit geplanten Routen. Nur, weil du jetzt weißt, welcher Schuhtyp der Richtige ist, heißt das noch nicht, dass jeder Schuh passt – da hilft nur vorbeischauen und ausprobieren. Wir wünschen dir viel Spaß beim Wandern und hoffen, dass wir dir mit diesem Artikel weiterhelfen konnten.

 

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