INTERSPORT Blog | 6. August 2020 | Lesezeit: 7 Minuten

Was gibt es beim Kauf eines Laufschuhs zu beachten?

Inhaltsverzeichnis

Füße gehören wohl zu den meist beanspruchtesten Gliedmaßen überhaupt – tagsüber fangen sie unser gesamtes Körpergewicht ab, während sie uns zusätzlich noch einigermaßen zielgerichtet durch den Alltag steuern sollen. Bei der Auswahl deines Laufschuhs solltest du zusätzlich bedenken, dass beim Laufen das 3-fache des eigenen Körpergewichts an Kräften auf den Schuh wirken.

Ein falscher Laufschuh kann die anfallenden Kräfte nur ungenügend kompensieren, was im schlimmsten Fall zu Stürzen oder langwierigen Beschwerden führen kann. In diesem Blogartikel widmen wir uns der Frage, was für Aspekte beim Kauf eines Laufschuhs eine Rolle spielen.

Den richtigen Laufschuh für das passende Gelände

Wenn du vor der Entscheidung stehst, dir einen Laufschuh zu kaufen, sollte die erste Frage sein, die dir selbst beantworten musst, sein: Wo laufe ich überhaupt? Die Antwort darauf grenzt das große Feld der Laufschuhe bereits stark ein. Grundsätzlich werden Laufschuhe in die Kategorien: Asphalt & feste Wege sowie Gelände-Laufschuhe unterteilt.

Laufschuhe für Asphalt und befestigte Wege

In dieser Kategorie findest alle Schuhtypen, die für einen nächtlichen Run um die Häuser geeignet sind oder dich auf befestigten Kieswegen entlang einsamer Flüsse führen. Sie sind so konzipiert, dass sie auf glatten und festen Oberflächen optimalen Halt bieten. Folgende Punkte solltest du wissen:

  • Der Laufschuh sollte gute Dämpfung entsprechend deines Gewichts und deiner Technik bei festen Untergründen liefern
  • Weniger grobes Profil als bei Geländeschuhen (wenig Grip bei Läufen im Wald)
  • Hohes Atmungsaktivität
  • Das Obermaterial ist meist nicht vor Nässe/Kälte/etc. geschützt
  • Glatte (weichere) Außensohle sorgt für festen Stand auf ebenen Untergründen

Laufschuhe fürs Gelände

Hier findest du Laufschuhe, die dich sicher durch die verschiedensten Geländetypen bringen. Die Aspekte dieser Kategorie findest du sowohl in Trailrunning-, wie auch in allen anderen Gelände-Laufschuhen. Wie zuvor haben wir die die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:

  • Strapazierfähiges Obermaterial, welches zudem meist noch mit einer Membran versehen ist, um die Füße vor Nässe und Feuchtigkeit zu schützen
  • Grobe und feste Außensohle sorgt für maximalen Grip auf rutschigen und unwegsamen Untergründen. Die feste Außensohle sorgt zusätzlich für Stabilität bei unebenen Untergründen und beugt so Verletzungen vor.
  • Im Gegensatz zur Kategorie zuvor wird etwas von der Atmungsaktivität eingebüßt, um den Schuh wetterbeständiger zu machen.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Auswahl deines Schuhs ist dein Laufstil, welcher sich aus deiner Technik und deiner Physis zusammensetzt. Was dies mit der richtigen Dämpfung zu tun hat, erfährst du hier:

Einen Laufschuh für jeden Fußtyp

Fußschmerzen entstehen dann, wenn der Laufschuh nicht deiner Fußform entspricht oder die falsche Dämpfung gewählt wurde. Die unterschiedlichen Fußformen sind: Hohl-, Senk- und Normalfuß, wobei der Normalfuß heutzutage schon eher eine Ausnahme ist. Ein Blick von oben herab auf den Fußabdruck verrät, welche Fußform bei dir vorliegt. Sobald eine Fehlstellung des Fußes vorliegt, verändert sich auch der Abdruck am Boden. Die Begriffe, die in diesem Zusammenhang fallen sind: Pronation, Supination & Neutral.

Pronation

Bei einer Pronation ist der Fuß in der Längsachse nach außen verschoben, was zur Folge hat, dass das Abrollverhalten – sprich die natürliche Dämpfung – nicht über die äußere Ferse geschieht. Der un-natürlich Abrollbewegung folgend wird der Innenfuß viel stärker belastet. Wenn du dir diese Bewegung aus der Vogelperspektive vorstellst, siehst du jetzt den Abdruck eines Senkfußes.

Supination

Bei der Supination verhält es sich seitenverkehrt. Die Fußspitzen tendieren dazu, nach innen zu zeigen. Für die Abrollbewegung bedeutet dies, dass die Bewegungsfläche auf den äußeren Fersenbereich minimiert wird. Während zuvor zu viel der Fußinnenfläche beim Abrollen belastet wurde, beschränkt es sich lediglich auf den äußersten Fersenrad. Von oben betrachtet ergibt sich das Bild eines Hohlfußes.

*beide Fehlstellungen haben zur Folge, dass die Kraft beim Abtreten nicht unserer Physis entsprechend verteilt wird – der Druck auf Bänder, Gelenke und Muskeln erhöht sich.

Normal(fuß)

Im Optimalfall besitzt du einen „Normal-Fuß“. Deine Fußspitzen zeigen parallel nach vorne, ohne dabei nach innen oder außen zu wandern. Beim Abrollen wird die Kraft nun optimal, vom ersten Auftrittspunkt auf der Ferse bis zum Ballen weitertragen, ohne dass Bänder, etc. in Mitleidenschaft gezogen werden.

Solltest du eine eben genannte Fehlstellung haben, empfehlen wir dir, vorab eine Einschätzung oder Empfehlung deines Hausarztes oder Orthopäden einzuholen. Kleinere Fehlstellungen beispielsweise können durch sorgsames Lauftraining beispielsweise behoben werden. Wenn du dir hier sofort ein Laufschuhmodell zulegst, welches eine Supination oder Pronation ausgleicht, verspielst du eine eventuelle Chance, deine Fehlstellung dauerhaft wieder zu richten. Gilt die Fehlstellung als irreparabel, können Stützmodelle dieser Haltung entgegenwirken. Was sich jetzt wie ein medizinischer Notfall anhört, ist im Grunde halb so schlimm. Viele Marken bieten ein und dasselbe Modell oft in mehreren Varianten an.

Sprengung

Ein anderer Begriff beim Kauf eines Laufschuhs ist die Sprengung. Die Sprengung gibt den Höhenunterschied im Schuh zwischen Ferse und Ballen an. Weist ein Schuh eine Sprengung von 5mm auf so liegt die Ferse 5mm oberhalb des Ballens. Ähnlich wie bei der Fehlstellung der Füße zuvor lassen sich über die Sprengung falsche Körperhaltungen ausgleichen. Dies spielt vor allem dann eine Rolle, wenn du dazu tendierst, deine Abrollbewegung zu weit vorne oder zu weit hinten zu beginnen.

Was noch beachten?

Neben unterschiedlichen körperlichen Fehlstellungen gibt es noch den Trainingszustand und die geplante Trainingsintensität zu beachten. Wenn du gerade erst mit dem Laufen beginnst, weil dich der Sport reizt oder du dir, aufgrund von Übergewicht vorgenommen hast, ein paar Kilos zu verlieren, dann ist es ratsam ein Modell mit einer hohen Dämpfung zu wählen. Dies verringert zu Beginn den Druck auf die Gelenke und du baust langsam die entsprechende (Tiefen)muskulatur auf, die es braucht, um die Körperspannung beim Laufen aufrecht zu erhalten.

Mit der Zeit wird auch deine Fußmuskulatur stärker. Um der Muskulatur neue Anreize zu geben, raten wir dir, auch weniger gedämpfte Modelle zu tragen. Mit wachsender Trainingsintensität steigt natürlich auch der Verschleiß des Materials. Ein Laufschuh ist für ungefähr 1000 km ausgelegt (variiert je nach Marke). Ein Gelegenheitsläufer oder eine Gelegenheitsläuferin kommt mit einem Paar Schuhe getrost ein Jahr lang aus. Wenn du aber für Wettkämpfe trainiert oder mehrmals die Woche unterwegs ist, solltest du dir überlegen, mindestens ein zweites Paar Schuhe in Reserve zu haben – und das sagen wir dir nicht nur, weil wir dich gerne in einem unserer Paare laufen sehen wollen. Um dem Muskel neuen Anreizen auszusetzen, reicht ein anderes Schuhmodell häufig schon aus. Hinzu kommt, dass ein Laufschuh nach einem Lauf rund 48 Stunden braucht, um die Dämpfungseigenschaften wieder zurückzugewinnen. Das Material beim Laufen wird entsprechend zusammengedrückt und bis sich dies wieder entfalten konnte, vergeht halt seine Zeit. Außerdem können sich leichter Bakterien und Pilze im Material festsetzen, wenn der Schuh ständig feucht ist und nicht die Möglichkeit bekommt, zu trocknen.

Wir hoffen, dass dir dieser kleine Ausblick in die Welt der Laufschuhe gefallen hat. Nach und nach wollen wir uns nun verstärkt Themen rund ums Laufen widmen. Bei uns im Shop kannst du übrigens genau diese Punkte auslesen lassen. Deine Füße werden in einem 3D-Scan auf Fehlstellungen untersucht und auf einem Laufband mit Videoanalyse können wir feststellen, ob du zu einem falschen Abrollverhalten neigst – mehr darüber erfährst du hier. Wir würden uns freuen, wenn du mal wieder vorbeischaust.

 

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