INTERSPORT Blog | 16. Mai 2020 | Lesezeit: 8 Minuten

Welches Fahrrad passt zu mir?

Inhaltsverzeichnis

Wenn auch du von der Flut von Fahrradangeboten schier erschlagen wirst und am Ende nur noch unschlüssiger den Laptop zuklappst oder dich gar nicht erst traust, einen Shop zu betreten, dann können wir dir jetzt einen kleinen Überblick zu den gängigsten Kategorien liefern.

Dicht an dicht reiht sich Modell an Modell und von weitem gleicht jede Reihe des Ganges dem Nächsten. Die nebeneinander aufgereihten Zweiradmodelle schlängeln sich wie eine Polonaise durch den Laden, während die Zurückhaltung vieler auf den Tatendrang der Servicemitarbeiter stößt. In diesem Blogbeitrag geht es darum, sich schon vorab mit der Frage zu beschäftigen, welche Art von Fahrrad meine Bedürfnisse am ehesten erfüllt. Es wird darum gehen, welches Bike das richtige für welches Gelände ist und worin die Unterschiede verschiedener Laufradgrößen liegen. 

Nur wenn du selber weißt, worauf du bei späteren Ausflügen wertlegst, können wir dich zielgerichtet durch die aufgereihten Räder zu deinem Bike führen, sodass du dein neues Rad später guten Gewissens aus der Ladentür schiebst oder den Karton vor der Haustür aufreißt.

Nun, die Liste infrage kommender Wegbegleiter ist lang. Es gibt Trekkingbikes, Crossbikes, Mountainbikes, E-Bikes, Rennräder, Kinderräder und davon wiederum mehr als genug Unterkategorien. Dann gibt es wiederum gefühlt tausende Laufradgrößen, die bis 29 Zoll gehen und wovon es dann noch schmale und breite Ausführungen, wie bei den Fatbikes gibt. Aber alles der Reihe nach: 

Der Einsatzzweck

Die erste Frage, die du dir stellen solltest ist: Wo werde ich mich die meiste Zeit mit dem Rad aufhalten? Wenn du beispielsweise die meiste Zeit in der Stadt unterwegs bist und die Distanzen eher kurz sind, solltest du jetzt bei den Citybikes weiterlesen. Wenn du aber für den Sommer geplant hast, längere Radtouren zu fahren und du dabei nicht auf die Möglichkeiten zur Anbringung von Fahrradtaschen verzichten möchtest, dann findest unter den Trekkingrädern einen passenden Untersatz. Du willst dein wallendes Haar im Wind spüren und in enger Radmontur dem Horizont entgegenstrampeln? Dann findest du deinen schmalreifigen Begleiter bei den Rennrädern. Du willst einen sportlicheren Allrounder, der dich sicher durch die Stadt wie auch über leichte Waldwege bringt, dann ist ein Crossrad die beste Wahl für dich.

Du siehst dich eher in den Bergen und willst nach einem anstrengenden Tag lieber noch ein paar Runden durch den Wald drehen? Dann greif zu einem Mountainbike! Wenn du aber lange Touren fahren willst und du die Unterstützung eines E-Motors nicht missen möchtest, solltest du schauen, ob es eine der zuvor erwähnten Kategorien auch als E-Bike Version gibt. 

Und last but not least die Kinderfahrräder, wenn man als Elternteil die Freuden des Fahrradfahrens an die kommende Generation weitergeben möchte. Schließlich werden auch die irgendwann groß und stehen vermutlich vor genau derselben Frage: Welches Fahrrad brauche ich überhaupt?

Laufräder und ihre Größen

Der Wunsch des Menschen, alles mit dem Rad zu erklimmen und zu befahren, hat Konstrukteure vor die Aufgabe gestellt, die optimale Reifengröße zu entwickeln, um die Wünsche nach grenzloser Freiheit zu erfüllen. Und ebenso wie die Geometrien der Fahrräder haben sich auch Laufgradgrößen und -breiten geändert. 

Fangen wir bei den 26" Reifen an. Noch bis vor wenigen Jahren galt 26" als der Standard für Mountainbikes. Grundsätzlich sind sie agiler, steifer und eben auch leichter. Dem gegenüber stehen die 29" Laufräder. Sie sind zwar schwerer, bieten dafür aber etwas, womit die kleineren Reifen nicht mithalten konnten, nämlich Geschwindigkeit. Auf dem Trail rollt ein größerer Reifen leichter über Hindernisse hinweg als ein kleiner. Die Industrie ist einen Kompromiss eingegangen und hat sich für die Größe 27,5"bzw. 650b entschieden. Sie vereinen das Beste aus beiden Welten und sind mittlerweile Standard für viel Mountainbikes.

Der Standard bei City-, Trekking- oder Rennrädern ist hingegen 28". Die Reifen haben noch immer ein exzellentes (Über)Rollverhalten, müssen aber im Gegensatz zu Mountainbikes weniger Hindernisse überwinden. Vergleichen wir hier die Reifenbreite miteinander fällt auf, dass Mountainbikes wesentlich breitere Reifen haben. Der Grund dafür ist die Auflagefläche des Reifens, welche den Rollwiderstand beeinflusst. Ein fetter 2,8"Reifen hat mehr aktive Fläche auf dem Trail und sorgt somit für mehr Grip. Mehr Fläche erhöht allerdings den Rollwiderstand, was mehr Kraft in den Beinen erfordert. Und da City-, Trekking- oder Rennrädern eben nicht den Grip im Gelände liefern müssen, bietet es sich an, schmale Mäntel zu verbauen. Die Auflagefläche wird somit minimiert und der Rollwiderstand kaum spürbar. Im Endeffekt lässt es sich leichter treten.

Hier noch ein Quickfact: Fatbikes wurden ursprünglich entwickelt, um die widrigsten sandigen oder feuchten Untergründe zu befahren, in denen normale Reifen sonst versinken würden.

Die Ausstattung

Im ersten Schritt ging es darum, die richtige Geometrie deines Fahrrads zu finden. Sie bestimmt darüber, wofür dein Rad ausgelegt ist. Die passende Ausstattung hängt nun vor allem davon ab, wie intensiv du in Zukunft fahren willst. Wenn du dein Citybike nur einmal die Woche nutzt, um dich auf dem Wochenmarkt mit frischem Obst und Gemüse zu versorgen, brauchst du vermutlich keine 3x11 Carbon Kettenschaltung. Andersherum willst du aber auch nicht unnötig sparen, wenn du vorhast 5 Mal die Woche mit dem Mountainbike im Wald zu sein und nach jeder Fahrt gezwungen bist, die Schaltung neu zu justieren. Die Eierlegende-Wollmilchsau wird zwar häufig angepriesen, verspricht aber im ersten Moment mehr, als sie im Nachhinein ist. Das soll kein Apell dafür sein, die Finger von günstigen Schaltungen zu lassen, denn auch die können bei richtiger Pflege lange halten. Willst du aber eine hohe Verlässlichkeit, ein geringes Gewicht oder Robustheit und das am besten in jeder Situation erfordert das nun einmal andere Materialen und technische Raffinessen, für die du tiefer in die Tasche greifen musst. Wer viel verlangt, sollte schließlich auch bereit sein, viel zu geben. Auch wenn das wie ein schlechtes Wandtattoo klingt, trifft es doch auf viele Ausstattungsmerkmale eines Fahrrads zu und dazu zählen noch viele andere Merkmale wie Bremsen, Federung(en), Anbringungsmöglichkeiten und vieles mehr.

All das waren bis jetzt Fragen, mit denen sich unsere Servicemitarbeiter auseinandersetzen, wenn sie dich beraten. Im nächsten Schritt wollen wir dir die zuvor schon erwähnten Fahrrad-Kategorien noch ein wenig mehr im Detail vorstellen: 

Citybikes

Wie der Name bereits verrät, sind Citybikes für die Stadt ausgelegt. Ihre aufrechte Sitzposition ermöglicht eine bequeme Fahrweise und mit einem Gepäckträger oder mit einem Fahrradkorb vorne lassen sich Einkäufe bequem nach Hause transportieren. In moderatem Tempo lassen sich easy kurze Strecken von A nach B bewältigen. Ein weiteres wichtiges Merkmal für ein Citybike ist ihre Straßentauglichkeit. Eine gute Lichtanlage sowie Reflektoren garantieren, dass du auch von anderen Verkehrsteilnehmern gut gesehen wirst. In Sachen Schaltungen kommen Citybikes häufig mit einer geringen Bandbreite von Gängen aus – manchmal sogar mit einer 3-Gang-Nabenschaltung, was völlig ausreicht, wenn du nicht gerade San Francisco dein Zuhause nennst. Citybikes sind daher bewusst einfach gehalten und für wenig Geld zu haben.

Trekkingbikes

Trekkingbikes richten sich vor allem an diejenigen, die gerne auch mal eine längere Tour fahren möchten und dabei auf Fahrradtaschen zurückgreifen, um Kleidung oder andere nützliche Gepäckstücke zu verstauen. Unter den sportlichen Rädern sind Trekkingbikes die mit Abstand bequemsten. Auch wenn man immer noch recht aufrecht sitzt, ist die Sitzposition ein wenig gedrungener als bei den Citybikes. In Kombination mit einer Gangschaltung, die eine hohe Bandbreite an Gängen verspricht, lassen sich auch längere Touren in den unterschiedlichsten Geländetypen bequem angehen.

Mountainbikes

Mountainbikes wollen vor allem eines: durch unwegsames Gelände gefahren werden. Und um dir diesen Wunsch zu erfüllen, haben sie meist eine Federung und breitere Reifen als ihre Mitstreiter. Innerhalb der Kategorie Mountainbike wird wiederum zwischen den Fullys (ein vorne wie hinten gefedertes Rad) sowie einem Hardtail (nur eine gefederte Vordergabel) unterschieden. Die Fullys wiederum teilen sich auf in die Bereiche Cross Country (100-120mm Federweg), Trail (130-150mm Federweg), Enduro (150-170mm Federweg) und Downhill (180mm- 203mm Federweg). Hierbei sollte man noch erwähnen, dass je mehr Federweg ein Mountainbike hat, desto mehr Kraft geht beim Treten durch eintauchende Federelemente verloren – niemand möchte ein Downhill Bike auch nur eine halbe Stunde lang treten müssen! Hier gilt es, den richtigen Mix aus Up- & Downhill-Performance zu finden. Die Art der Gangschaltungen variieren je nach Einsatzgebiet von 2x11 bis 1x12.

Rennräder

Rennräder scheinen in der letzten Zeit wieder eine Art Renaissance zu erleben. Ich für meinen Teil sehe beinahe täglich Menschen in ihren Zwanzigern, die sich in enge Radoutfits zwängen und mit verspiegelten Sonnenbrillen die Seen umrunden. Von allen Rädern hat man bei den Rennrädern die sportlichste Sitzposition und die mit Abstand schmalsten Reifen. Hier geht es darum, in kurzer Zeit viel Strecke hinter sich zu bringen – einen Fahrradkorb sucht man hier vergebens. Beliebte Abwandlungen für die Stadt sind Fixies – eine Variante mit nur einem großen Kettenblatt vorne und einem kleinen Ritzel hinten, was sie sehr wartungsarm machen. Wer Rennradperformance im leichten Gelände sucht, könnte mit einem CycleCrosser glücklich werden. Eine Rennradvariante mit gröberen und breiteren Reifenprofilen sowie einem breiteren Lenker.

Crossräder

Crossräder schlagen die Brücke zwischen Rennrädern und Mountainbikes. Sie ähneln zwar optisch den Trekkingrädern, sind jedoch meist von Geometrie und Ausstattung so konzipiert, dass ein Ausflug über Forststraßen und leichte Waldwege kein Problem für sie darstellt. Im Gegensatz zu den Trekkingrädern haben sie weniger Anbringungsmöglichkeiten für eventuelle Fahrradtaschen und man sitzt sportlicher auf ihnen. Im Gegenzug dazu haben sie teilweise breitere Reifen oder eine hochwertigere Federung.

E-Bike

Die Begriffe E-Bike und Pedelec werden umgangssprachlich oft Synonym verwendet. Wer E-Bike sagt, meint aber häufig ein Pedelec. Per Definition sind E-Bikes Räder, die ohne zusätzliche Muskelkraft auskommen, während bei Pedelecs zumindest ein wenig Restmuskelkraft gefragt ist und der Motor somit unterstützend arbeitet. Pedelecs lassen sich in jeder der vorherigen Kategorien wiederfinden und decken dieselben Bedürfnisse ab. Und obwohl E-Bikes sich immer größerer Beliebtheit erfreuen, gilt anzumerken, dass ein Elektromotor zwar mangelnde Fitness am Berg ausgleichen kann, nicht jedoch die jahrelange Erfahrung, welche notwendig ist, um von vielen Gipfeln wieder hinabzufahren. Ein Punkt, den gerade Alpenvereine und die Bergrettung seit geraumer Zeit verfolgen. Nichtsdestotrotz kann ein E-Bike der ideale Begleiter für den Arbeitsweg sein, ohne ins Schwitzen zu kommen oder um lange Touren zu fahren, ohne dabei außer Atem zu kommen.

Kinderfahrräder

Bei den Kinderfahrrädern geht es in erster Linie darum, die Freuden des Radfahrens weiterzugeben. Angefangen von Rädern mit Stützrädern, um den nötigen Gleichgewichtssinn zu schulen, bis hin zu Fahrrädern für den Schulweg, die mit ihrer Straßentauglichkeit für die nötige Sicherheit sorgen. Die meisten Kinder- oder Jugendfahrräder werden mit einer Laufradgröße bis 24"ausgeschrieben.

Zugegebenermaßen ist das nur ein kleiner Einblick in die Welt unserer zweirädrigen Begleiter. Allein über Laufräder und Citybikes gibt es ganze Bücher. Wir hoffen aber, dass du nun mit gutem Gewissen in eine Filiale gehen und deinen Wünschen einen Namen geben kannst. 

Und wenn du durch den Artikel erst recht Lust aufs Fahrradfahren bekommen hast, dann überleg dir lieber schnell, wie deine Touren in Zukunft aussehen werden. Kleiner Tipp: Du kannst zwar auch alleine Fahrrad ´fahren aber am meisten Spaß macht es mit Freunden. So wie es derzeit ausschaut, scheint ja alles getreu dem Motto: Urlaub im eigenen Land abzulaufen. Warum also nicht einige Rennradtouren um die Seen in Österreich oder mit den Mountainbikes eine Hüttentour über mehrere Tage? Genauso viel Spaß könnte es aber auch machen, mit den Trekkingbikes und Zelten, Dosenravioli und einer Flasche Wein die Flüsse der Region abzufahren.

Dein Fahrradladen um die Ecke sollte nun nichts mystisches mehr an sich haben. Vielmehr sollte er eine Inspirationsquelle für zukünftige Touren sein. In Zukunft wird es noch viele weitere Blogthemen rund um unsere zweirädrigen Begleiter geben, schau also ab und zu vorbei!

 

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