INTERSPORT Blog | 22. Mai 2020 | Lesezeit: 7 Minuten

Was muss ich beim Kauf eines E-Bikes beachten?

Inhaltsverzeichnis

Die Wahl des richtigen Fahrrads ist für viele schon nervenaufreibend genug. Wenn jetzt auch noch ein Elektromotor hinzukommt und Begriffe, wie Watt, Drehmoment und Newtonmeter fallen, fühl zumindest ich mich in den Physikunterricht zurückkapituliert. Und dass Physik schon damals nicht zu meinen Stärken zählte, erklärt spätestens mein Berufswunsch, für euch spannende neue Themen aufzubereiten und offene Fragen zu klären.

Wir werden uns in diesem Blogartikel mit den unterschiedlichen Motoren ebenso beschäftigen, wie mit den verschiedensten E-Bike Typen und deren Komponenten.

Zunächst sei noch einmal gesagt, dass die Begriffe E-Bike und Pedelec häufig synonym verwendet werden. Oft werden Pedelecs gemeint, wenn von E-Bikes gesprochen wird. Dabei ist die Erklärung, was was ist simpel. Bei einem Pedelec wirkt der Motor unterstützend, sprich es muss mitgetreten werden. Ein E-Bike hingegen zählt als Kleinkraftrad und kommt ohne Muskelkraft aus – hinzu kommen allerdings noch behördliche Vorgaben, ähnlich eines Motorollers. Der Einfachheit halber bleibe ich aber wohl beim Begriff E-Bikes. Vielleicht kannst du mit dem Wissen beim nächsten Servicemitarbeiter punkten!

E-Bike, nur welcher Motor… und wer war noch dieser Newton???

Viele der Kennzahlen, die bei den verbauten E-Bike Motoren angegeben werden, sind eher als grobe Richtwerte zu verstehen. Die Tatsächliche Leistung und das Fahrverhalten hängen nämlich von vielen Faktoren ab.

Einheiten über Einheiten

Die Leistung des Elektroantriebs wird in Watt angegeben und liegt bei fast allen Modellen bei 250 W. 
Viel wichtiger als die Leistung ist hingegen das Drehmoment, welcher in der Einheit Newtonmeter (Nm) angegeben wird. Hierunter ist die zu übertragende Kraft von einem rotierenden Objekt, sprich eines Kettenblatts, auf ein anderes Objekt, eben das Hinterrad zu verstehen. Kurz gesagt: je mehr Nm, desto mehr Power. Die Frage nach dem richtigen Drehmoment spielt dann eine Rolle, wenn du dich entscheiden musst, was du mit dem E-Bike fahren willst. Für flache Strecken, sprich für City- oder Trekkingbikes genügen 60 Nm während E-Mountainbikes oder gar E-Fullys, die sich mit ihrem groben Profil über steile Forstraßen kämpfen 80 Nm und mehr benötigen.
Eine weitere nicht zu unterschätzende Größe sind die Wattstunden, welche in Wh angegeben werden. Im Gegensatz zur Leistung geben die Wattstunden Aufschluss darüber, wie lange ein E-Bike gefahren werden kann, bevor es mit runterhängender Zunge der nächstliegenden Steckdose entgegenrollt. Ein grundsätzlicher Richtwert sind 400 Wh, wobei auch hier, wie beim Autofahren gilt, dass die tatsächliche Distanz von mehreren Faktoren, wie dem FahrerInnengewicht, Temperatur, Untergrund, Reifendruck, etc. abhängt.

Was es mit den Fahrmodi auf sich hat?

Die meisten E-Bikes heutzutage verfügen über eine Steuereinheit, welche in Form eines kleinen Displays, gut sichtbar, im Bereich des Lenkers angebracht ist. Von hier aus lässt sich der Motor unterschiedlichen Geländetypen anpassen. Über mindestens 3 Modi verfügt ein Großteil aller Modelle. Und während im leichtesten Modi auf ebener Strecke der Motor fast ausgeschaltet werden kann bzw. er lediglich das Zusatzgewicht des Motors ausgleicht, bringt er dich im höchsten jeden noch so steilen Anstieg empor, ohne danach auf ein Beatmungszelt angewiesen zu sein.

Nur weil ein E-Bike über wenig Modi verfügt, bedeutet dies jedoch nichts Schlechtes, solange die Verfügbaren Modi die Einsatzzwecke abdecken. Einen Super-Uphill Modus wirst du an einem Citybike vermutlich nicht vermissen.

Wer E-Bike fährt, muss trotzdem schalten

Auch wenn ein E-Bike durch seine kraftsparende Art dazu verleitet, weniger zu schalten, hat das Schaltverhalten direkten Einfluss aufs Fahrverhalten und auf die Akkuleistung. Nur wer richtig schaltet, holt das Maximum aus seinem Motor heraus. Die Elektromotoren werden so entwickelt, dass sie in einem bestimmten Trittfrequenzbereich ihr Optimum an Kraft ausspielen können. Die Bandbreite der optimalen Trittfrequenz ist bei den meisten Herstellern riesig und niemand muss einen Gedanken daran verschwenden, dennoch darf man sich nicht wundern, wenn man auf dem Ritzel mit den wenigsten Zähnen einen Berg versucht zu erklimmen und der E-Motor zum schweren Beifahrer und nicht zum rettenden Helfer mutiert.

Der Elektromotor ist nicht alles

Nur weil bei einem neuen E-Bike logischerweise viel Wert auf einen leistungsstarken Motor gesetzt wird, darf man nicht in die Falle tappen, auf einmal alle anderen Komponenten außer Acht zu lassen. Denn wie ein weiser Poet zu sagen pflegte, folgt mit viel Macht auch viel Verantwortung. Wer auf einen Elektromotor mit viel Kraft setzt, sollte nicht unbedingt bei den Bremsen und anderen wichtigen Bauteilen sparen. Warum das so ist erklären wir dir kurz in den nächsten Abschnitten.

Die Bereifung

Ein häufig unterschätztes Element beim Kauf ist die richtige Bereifung. Und dass, obwohl sie der erste Kontaktpunkt zwischen Mensch und dem Gelände sind. Die Wahl des richtigen Reifens hat maßgeblichen Einfluss auf die Federung, das Rollverhalten, den Grip und in der Summe auf die Effektivität und Langlebigkeit des Motors. 

Die wichtigsten Maßeinheiten sind die Größe des Laufrads (Angaben in Zoll), die Breite (Angaben in Zoll), der empfohlene Luftdruck und eben die Beschaffenheit des Profils. Für Profis befinden sich häufig noch Angaben über die Gummimischung, welche den Rollwiderstand und Grip beeinflusst auf den Reifen sowie die Beschaffenheit der Karkasse, welche Einfluss auf den Pannenschutz hat.

Nur bei richtig gewähltem Luftdruck kann ein Reifen sein volles Potential ausspielen. Im Detail bedeutet dies, dass er minimale Unebenheiten nicht an den Fahrer weitergibt, er den versprochenen Rollwiderstand liefert und entsprechenden Grip vermittelt.

Welcher Reifentyp der richtige für dich ist, hängt ganz alleine von der Art deines Fahrrads ab und somit dem Gelände, in dem du dich bewegen wirst. Wer viel im Wald und unwegsamen Strecken unterwegs ist, nimmt breitere Reifen mit viel Profil, um in jeder Situation ein Maximum an Grip zu generieren, wohingegen die Bereifung bei City-, Trekking oder anderen (Asphalt)Rädern schmäler ausfällt und weniger tiefes Profil benötigt.

Beim Montieren immer bedenken, dass es eine Laufrichtung vom Mantel gibt 

Die Bremsen 

Egal um was für ein Fahrrad es sich handelt, bei den Bremsen sollte niemand sparen. Bei E-Bikes kommt jedoch der Faktor des Motors hinzu. Ein Motor bedeutet auf der einen Seite, dass mehr Gewicht am Fahrrad verbaut ist, was zu einem längeren Bremsweg führt. Auf der anderen Seite gilt es zu bedenken, dass Motor-unterstütztes-Fahren zunächst einmal für viele ungewohnt ist. Die Art der Beschleunigung ist anders und vermittelt ein anderes Verhältnis von Kraft und Geschwindigkeit. Auf dieses neue Fahrgefühl willst du schnell und effektiv reagieren können, weshalb eine kräftige und dosierbare Bremse unverzichtbar ist.

Bei den meisten handelsüblichen E-Bikes werden daher standartmäßig hydraulische Scheibenbremsen verbaut. Wie bei allen Bremsen gilt es auch hier in regelmäßigen Abständen die Bremsbeläge und -scheiben zu überprüfen. Vergiss jedoch nicht, dass eine hydraulische Bremsanlage hin und wieder mal entlüftet werden muss.

Die Schaltung

Wie oben bereits angedeutet, ist das richtige Schaltverhalten unabdingbar, um das Optimum aus seinem Elektromotor rauszuholen. Die Wahl des richtigen Schaltungstyps orientiert sich zum Großteil am Typ des Fahrrads, was den Vorteil hat, dass viele Modelle im Vornherein bereits wegfallen.

Ein Vorteil unterschiedlicher Schaltungen bei E-Bikes ist, dass durch die zusätzlich generierte Kraft über den Motor auf Gänge verzichtet kann. Im Vergleich zu herkömmlichen Fahrrädern können (nicht müssen!) E-Bikes daher mit einer geringeren Bandbreite auskommen.

Die meisten E-Bikes kommen heutzutage mit einer Kettenschaltung, welche eine große Übersetzungsbrandbreite liefert. Der Vorteil ist, dass sie sehr viel Komfort sowohl bei Steigungen, als auch bei langen Ebenen Strecken bietet.

Ein Nachteil ist hingegen der Wartungsaufwand. Durch die Kraftübertragung der Trittbewegung und des Motors verschleißen Kette, Ritzel (hinten) und Kettenblätter (vorne) gleichermaßen. Um die Schaltperformance über Jahre hoch zu halten, müssen solche Teile mit der Zeit gewechselt werden.

Der Nachteil des Einen ist der Vorteil der Anderen. Eine Nabenschaltung ist im Vergleich sehr Wartungsarm, kann allerdings nicht mit der Bandbreite der Kettenschaltung konkurrieren. Gerade bei Rädern, die von Haus aus mit wenig Gängen auskommen wie einem Citybike ist eine Nabenschaltung eine Überlegung wert.

Und welches E-Bike brauche ich nun? 

Da ein E-Bike per se ja noch keine Fahrradkategorie ist, wäre die korrekte Frage eigentlich: Welchen Fahrradtyp brauche ich? Grundsätzlich gibt es von jedem Typ Rad, egal ob City-, Trekking-, Cross-, Renn- oder Mountainbike eine Variante, welche die Unterstützung durch einen Elektromotor anbietet.

In einem vergangenen Artikel haben wir die Frage, welcher Fahrradtyp benötigt wird schon umfangreich beantwortet, weshalb ich hier lediglich die Eckpunkte noch einmal nennen möchte. 

Die Wahl des richtigen Typs hängt von ein paar einfachen Grundfragen ab, die du in erster Linie für dich selbst beantworten musst. Je sicherer du bei der Beantwortung dieser Fragen bist, desto eher erfüllt das spätere E-Bike deine Erwartungen. Und wenn ich mir heutzutage FahrerInnen anschaue, wie sie ein vollgefedertes E-Mountainbike durch die Stadt fahren oder Kilometer um Kilometer über flache Asphaltstraßen treten, dann weiß ich, dass dieser erste Schritt doch häufig übersehen wird.

Die wichtigste Frage, die du dir stellen solltest ist: Wo werde ich mich die meiste Zeit mit dem Rad aufhalten? Wenn du beispielsweise den Großteil der Zeit in der Stadt unterwegs bist und die Distanzen eher kurz sind, solltest du jetzt bei den E-Citybikes umschauen. Wenn du aber für den Sommer geplant hast, längere Radtouren zu fahren und du dabei nicht auf die Anbringung von Fahrradtaschen verzichten möchtest, dann findest unter den E-Trekkingrädern einen passenden Untersatz. Du willst einen sportlicheren Allrounder, der dich sicher durch die Stadt, wie auch über leichte Waldwege bringt, dann ist ein E-Crossrad die beste Wahl für dich.

Wenn du nach einem anstrengenden Tag aber lieber noch ein paar Runden durch den Wald drehst oder Berge erklimmen magst, dann greif zu einem E-Mountainbike.  

Wir hoffen, dass wir mit diesem Blogbeitrag einige Ungereimtheiten oder Fragen bezüglich E-Bikes bzw. Pedelecs, was wir ja eigentlich meinten, klären konnten. Solltest du darüber hinaus noch Fragen haben, schreib uns oder frag in einem Shop deines Vertrauens.

 

Das könnte dich auch interessieren:

Zurück zur Übersicht