INTERSPORT Blog | Lesezeit: 10 Minuten

Welche Skischuhe gibt es und worauf solltest du achten?

Inhaltsverzeichnis

Dass Skischuhe nicht gerade bequem sind und das Gehen beim Wintersport in ihnen auch gewöhnungsbedürftig ist, sollte kein Geheimnis mehr sein. Wenn das darin Gehen also schon merkwürdig aussieht, dann doch bitte ohne Druckstellen und Schmerzen. In unserem heutigen Blogbeitrag widmen wir uns dem Thema der Skischuhe und zeigen dir, worauf du beim Kauf oder beim Leihen eines Skischuhs achten solltest und was es mit Begriffen wie: Schale und Fußform auf sich hat.

Darum ist ein gut sitzender Skischuh wichtig:

Der Skischuh ist das Bindeglied zwischen dem Ski und deinem Körper. Seine Hauptaufgabe ist es, die Kraft aus dem Oberkörper und den Beinen auf die Ski zu übertragen. Wie deine Ski sollte sich also auch der Skischuh deiner Fußform und deinen Bedürfnissen anpassen. Drückt der Schuh oder ist er zu kurz bzw. zu lang, wirst du nicht in der Lage sein, deinen Ski so zu beherrschen, wie du es vielleicht könntest. Aus diesem Grund ist es wichtig, auf jeden der nun folgenden Punkte zu achten.

Eine wichtige Kennziffer vorab – der Flex:

Beim Wintersport gibt es viele Begrifflichkeiten, mit denen man für gewöhnlich weniger konfrontiert wird. Beim Thema Skischuh fällt bspw. häufig der Begriff: Flex. Dieser Wert gibt den Härtegrad des Skischuhs an. Ein Skischuh mit einem Flex von 130 ist wesentlich härter vom Material und der dazugehörigen Polsterung, was ihn verwindungssteifer als ein baugleiches Modell mit einem niedrigeren Flex von bspw. 80 macht. Ein steifer Schuh überträgt Kräfte intensiver/besser. Auf der einen Seite reagiert der Ski schneller und direkter auf Verlagerungen des Körpergewichts. Auf der anderen Seite gibt ein harter Flex jedoch auch Schläge intensiver durch den Innenschuh an den Fahrer oder die Fahrerin weiter. Somit ist ein Skischuh mit einem harten Flex auch unbequemer und bietet weniger Komfort. Der Flex Wert ist ein guter Indikator, um innerhalb einer Marke zwischen bestimmten Skischuhen zu unterscheiden. Er eignet sich jedoch nicht zwangsläufig, um unterschiedliche Marken miteinander zu vergleichen.

Skischuh: Auf den Fahrstil kommt es an

Die erste Frage, die du dir beim Kauf oder Leihen eines Skischuhs stellen solltest, ist, welcher Fahrtyp du bist. Dazu sei noch gesagt, dass es kein einheitliches System gibt, um Skischuhe zu kategorisieren, weshalb du woanders möglicherweise andere Begriffe finden könntest.

Skifahrerin auf allein Skipiste

Komfort

Wenn du vorhast, den Tag gemütlich auf der Piste zu verbringen, ohne dabei Geschwindigkeitsrekorde zu brechen, solltest du zum Typ Komfort greifen. Diese Schuhkategorie bietet viel Polsterung und Bewegungsfreiraum. Um das Thema Flex wieder aufzugreifen, sprechen wir hier von einem weichen bzw. niedrigen Flex (z.B. 80). Wir haben hier ein verhältnismäßig weiches Außenmaterial mit einer dicken, weichen Polsterung sowie einer breiten Leiste. Durch ihren Komfort haben sie jedoch auch die geringste Kraftübertragung auf den Ski, was nicht unbedingt schlecht ist, wenn du nur entspannt skifährst.

Skifahrerin in roten Skianzug allein auf Skipiste

Ambitioniert/All Mountain/Sport(lich)

Wenn du auf der Piste sportlich unterwegs bist und das auch gerne mehrmals die Woche, solltest du einen Schuh wählen, der seine Steifigkeit auch nach mehrmaligem Fahren innerhalb kürzester Zeit nicht verliert. Schuhe dieser Kategorie werden auch als Performance oder All Mountain Modelle bezeichnet. Sie zeichnen sich durch eine härtere Außenschale in Kombination mit einer weichen Polsterung aus. Wir sprechen in diesem Fall von einem Flex von 90 bis 100. Auch haben wir es bei Modellen dieser Kategorie mit einer schmaleren Leiste zu tun. Der Druck auf das Fußgelenk erhöht sich und die Kraftübertragung ist direkter.

Zwei Skifahrerer auf Skipiste und Berge

Race

Wer zum ersten Mal in einen Race Skischuh gestiegen ist, wird zunächst das Gefühl haben, seinen Fuß nie wieder dort hinauszubekommen. Die Biester sind eng, was erklärt, warum jeder Skiprofi nach seinem Run die Schnallen öffnet. Um ein möglichst direktes Fahrverhalten zu erhalten und um viel Feedback vom Gelände zu bekommen, ist die Außenschale sehr hart und die Polsterung minimal. Wir sprechen hier von einem Flex von 110 bis 150 mit einer sehr schmalen Leiste. So einen Schuh ziehst du dir lediglich an, wenn du aggressiv die Pisten bändigst.

Skifahrer im Tiefschnee

Freeride

Wenn du vorhast, abseits der Pisten deine Zeit zu verbringen, dann würden wir dir einen Skischuh ans Herz legen, der sich zwischen einem Race Modell und einem Performance Skischuh ansiedelt – die meisten Marken haben bereits spezielle Freeride Modelle. Auf der einen Seite brauchst du eine harte Außenschale, um im tiefen Schnee Schwünge einzuleiten aber auf der anderen Seite brauchst du ein wenig mehr Komfort im Innenschuh, um Sprünge, etc. im Gelände abzufedern.

Skibergsteiger in den Bergen

Touring Skischuhe:

Bei Skischuhen zum Skitourengehen gibt's viele Details, deswegen haben wir uns diesem Typ von Skischuhen auch in einem separaten Blogartikel nochmal ausführlicher damit befasst. So ein kleiner Absatz würde diesem Thema nicht gerecht werden. Da es Touring Skischuhe in allen Formen und Härtegraden gibt, ist es schwierig, sich hier kurz zu halten. So viel aber vorab: Skischuhe zum Tourengehen besitzen einen Walking Mode, mit dem du den Schaft des Schuhs entriegeln kannst. Dies ermöglicht deinem Fußgelenk einen größeren Bewegungsradius. Diese Technik hilft dabei, weite Schritte im Gelände zurückzulegen. Grundsätzlich sind Skitouringschuhe auch leichter, um lange Touren am Berg nicht zusätzlich zu erschweren.

Deshalb ist beim Skischuh die Größe und Leistenbreite so wichtig

Die Skischuhe vieler Skifahrer:innen sind zu oft groß, was dazu führt, dass der Fuß im Fußbett zu schwimmen beginnt. Der Komfort eines Skischuhs sollte auf keinem Fall über die 1-2 Nummern größer ausfallenden Skischuhe im Vergleich zu den gewöhnlichen Freizeitschuhen gesteuert werden. Wenn dies der Fall sein sollte, ist es unglaublich schwierig, den Ski entsprechend deines Könnens zu beherrschen. Beim Kauf oder beim Leihen solltest du also darauf achten, die richtige Passform in der gehockten Skiposition zu bewerten. Beim entsprechenden Druck auf das Schienbein in der Hocke wandert dein Fuß nach hinten, wodurch du vorne deutlich an Platz gewinnst.

Die Leistenbreite im Skischuh

Eine weitere Größenangabe neben der Länge ist die Leistenbreite eines Skischuhs. Die Leistenbreite oder auch Fußbreite beschreibt die breiteste Stelle des Vorderfußes und erlaubt eine schnelle Orientierung, ob du einen schmalen, mittel-breiten oder breiten Fuß hast. Die Leistenbreite des Skischuhs sollte logischerweise nie niedriger sein als die eigene Leistenbreite des Vorderfußes.

Viele Marken wie Atomic, Head oder Salomon haben in ihrem Sortiment Modelle mit unterschiedlichen Leistenbreiten, um den Ansprüchen aller Kund:innen gerecht zu werden. Ein wichtiger Hinweis in diesem Zusammenhang ist, dass sich die Referenzwerte der Marken immer auf die Schuhgröße 26,5 – also 41 D/EU – beziehen

Hier ein Beispiel, um genau das zu vergleichen:

 Angenommen dem Fall, beim Skischuh-Modell AA wird der Referenzwert 100 mm für die Leistenbreite angegeben, so wird dieser Wert nur bei der Größe 26,5 bzw. 41 messbar sein. Ein Skischuh desselben Modells in einer Schuhgröße größer als 41 hat entsprechend auch eine breitere Leiste (also größer als 100 mm), wohingegen die Leistenbreite desselben Modells mit einer kleineren Schuhgröße als 41 geringer (also weniger als 100 mm) ausfällt.

Hast du nun das Skischuh-Modell BB einer anderen Marke zum Vergleich, der den Referenzwert 98 mm angibt, kannst du dir sicher sein, dass dieser grundsätzlich schmäler ausfällt als das Modell AA.

Grundsätzlich lassen sich die Leistenbreiten von Skischuhen in folgende Kategorien unterteilen: 

  • Leistenbreite 92-98 mm: gelten als schmale Füße
  • Leistenbreite 98 – 101 mm: gelten als mittelbreite Füße
  • Leistenbreite größer als 101 mm: gelten als breite Füße

 Bei der Leistenbreite handelt es sich natürlich nur um Referenzwerte eines Skischuhs. Es spielen noch viele andere Faktoren wie dein Fahrstil eine Rolle darüber, inwieweit du einen Skischuh mit einer engeren der weitere Leiste brauchst. Wenn du auf Performance und Kontrolle Wert legst, greifst du eher zu einem engeren Modell, um eine bessere Kraftübertragung zu gewährleisten, während du bei einem komfortablen Skischuh eher zu einer breiteren Leiste greifst.

Die Schnallen des Skischuhs richtig einstellen

Wenn du der Meinung bist, ein passendes Paar gefunden zu haben, geht es ans Feintuning – sprich der Anpassung, die du selbst vornehmen kannst. Mithilfe der Schnallen kannst du die entsprechenden Bereiche des Schuhs einstellen. Dabei wird in drei Bereiche unterschieden:

  • Die Zehen: Die Schnallen für die Zehen bleiben im Vergleich zum Rest verhältnismäßig locker, wodurch die Bewegungsfreiheit im Schuh ein stückweit erhalten bleibt, ohne dass der Fuß zu schwimmen beginnt.
  • Der Mittelfuß: Bei einem 4-Schnaller sind die beiden mittleren Schnallen für die Stabilisierung des gesamten Fußes in der Schuhschale verantwortlich. Hier musst du selber das richtige Maß finden. Sitzen die Schnallen zu eng, schnürst du dir den Fuß ab und bei zu geringem Druck leidet die Kraftübertragung.
  • Schienbein: Die oberste Schnalle stellt die Verbindung zwischen den Waden und Schienbeinen und dem Schuh her. Auch hier empfehlen wir ein langsames Herantasten – bitte ohne dass dir dabei der Fuß abfällt. 

Die Schnallen können übrigens als Indikator dafür genutzt werden, ob die Schalung eines Schuhs zu weit oder zu schmal ist. Wenn du dich dabei ertappst, die äußersten oder innersten Haken/Einrastpunkte der Schnallen zu benutzen, dann solltest du dir zumindest die Mühe machen und einen weiteren oder schmaleren Schuh anprobieren.

Skischuhe: Das Feintuning

Bei einigen Skischuhmodellen gibt es über die Schnallen hinaus noch die Möglichkeit, das so genannte Canting einzustellen. Mithilfe eines Tools (meist ein Imbus) lässt sich die Schale des Skischuhs leicht verschieben, was dabei hilft, eine X- oder O-Bein Stellung auszugleichen. Dies sollte jedoch von einem Fachmann übernommen und nicht willkürlich, ohne Erfahrung ausprobiert werden.

Service: Bootfitting

Viele Hersteller und Filialen (auch bei uns) bieten außerdem an, dass sie die Schale des Skischuhs individuell anpassen. Die Grundvoraussetzung für ein solches Bootfitting ist, dass dir der Schuh grundsätzlich passt – sprich der Flex entspricht deinem bevorzugtem Fahrverhalten und die Schale passt sagen wir zu 85 %. Mithilfe eines speziellen Ofens, können beim Bootfitting nun unsere Mitarbeiter:innen kleine Druckstellen im Innenschuh entfernen, indem die Bereiche identifiziert, markiert und im Anschluss wärmebehandelt werden. Das Material lässt sich bei einer bestimmten Temperatur verformen und an deine Fußform anpassen, sodass du am Ende mit einem Schuh dastehst, der deiner Passform entspricht. So ein Bootfitting ist ein spezieller Service, weshalb du gerade zu Beginn von Youtube-Home-Tutorials absehen solltest. Wir sagen nicht, dass es nicht genauso gut funktioniert aber die Anpassung, die wir vornehmen ist von Skischuh zu Skischuh verschieden. Ein paar Grad zu viel oder eine Anpassung an der falschen Stelle können genauso dazu führen, dass der Schuh instabil und somit nutzlos wird – wäre schade, um deinen teuren Skischuh!

Tipp: Die Schnallen deiner Skischuhe am Ende des Skitages unbedingt wieder zumachen - ein leichtes "zuhängen" der Schnallen und Straps reicht hier völlig aus. Damit beugst du eine Verformung des Skischuhs bzw. der Schale vor. Dies Aktion dauert nur wenige Sekunden und führt dazu, dass dir deine Skischuhe beim nächsten Skitag auch wieder ordentlich passen.

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