Skifahrer auf Skipiste

Autor: Ole Kliem | Lesezeit: 5 Minuten

Welche Pistenski gibt es?

Der Großteil des Wintertrubels spielt sich auf den Pisten ab, weshalb uns häufig die Frage nach dem ultimativen Pistenski gestellt wird. Ein guter Pistenski muss einige Kriterien erfüllen, um sich auch so bezeichnen zu dürfen. Und dennoch gibt es nicht nur den einen.

Inhaltsverzeichnis

Diese Merkmale muss ein Ski für die Piste aufweisen

Ein guter Pistenski muss mit den Bedingungen auf einer präparierten, harten, glatten und zum Teil auch steilen Piste zurechtkommen. Und was sich die Skiindustrie dafür überlegt hat, zeigen wir dir jetzt:

Torsionssteifigkeit: 

Die Torsionssteifigkeit muss bei einem Pistenski höher sein als bei anderen Skitypen und beschreibt die Verwindung des Skis auf der Längsachse. Du kannst es dir auch so vorstellen: Nimm einen Ski vor die Brust und versuche, die Skispitze (entlang der Längsachse) nach links und das Skiende nach rechts zu drehen. Je einfacher oder schwerer es geht, desto steifer oder weicher ist die Torsion. Auf einer harten Piste ist es wichtig, dass die Skikanten auf der gesamten Skilänge auf der Piste greifen. Eine zu weiche Torsionssteifigkeit beim Pistenski könnte im Zweifelsfall deine Kraft aus den Beinen und dem Oberkörper nicht im vollem Ausmaß auf die Piste bringen. Je höher also die Torsionssteifigkeit, desto direkter ist der Ski und desto besser ist der Kantengriff auf einer eisigen Piste.

Flex: 

Im Gegensatz zur Torsionssteifigkeit bezieht sich der Flex nicht auf die Verwindung, sondern auf den Grad der Durchbiegung des Skis in der Längsachse. Anders gesagt: Stelle einen Ski mit der Oberfläche zu dir zeigend vor dir auf und versuche ihn nun mittig durchzubiegen. Beim Flex gibt es keine Pauschalaussage darüber, ob weicher oder härter besser ist. Eher orientiert sich der Flex am Gewicht des Fahrers oder der Fahrerin. Der Flex des Skis bestimmt nämlich in welchem Ausmaß du die Skikanten gleichmäßig nutzt. Ist der Flex bei einer schweren Person zu weich, wird diese die Skikanten nicht gleichmäßig belasten können, sondern den Ski lediglich durchdrücken. Der Mittelteil des Skis würde so zu stark belastet werden, was bei hohem Tempo zu einem flatterndem Pistenski führen kann. Ist der Flex hingegen zu hart, wird eine leichte Person die Ski in Kurvenlage nie durchbiegen können, wodurch das Carven unmöglich wird.

Taillierung und Mittelbreite:

Wie du bereits rausgehört haben solltest, ist es bei einem Pistenski wichtig, dass Richtungswechsel auf harten, eisigen Pisten schnell und effektiv umgesetzt werden können. Der Ski muss also leicht von einer Kante auf die andere bewegt werden können, ohne viel Kraft zu kosten. Pistenski zeichnen sich daher durch eine schmale Mittelbreite aus. Carving Ski haben aus diesem Grund häufig eine Mittelbreite von ca. 63-70 mm (Abweichungen sind je nach Typ möglich).

  • Die Art und Weise der Taillierung, bzw. das Verhältnis von Mittelbreite und Schaufel zueinander gibt Auskunft darüber, ob es sich um einen Carvingski oder einen klassischen Alpinski handelt. Ein Carvingski hat eine viel stärker ausgeprägte Taillierung als ein Alpinski und ist somit schmaler in der Mittelbreite, wodurch er aggressiver in den Kurven gefahren werden kann und Richtungswechsel effektiverumsetzt.
Zwei Skifahrer allein auf Skipiste bei Sonnenuntergang

Den einen perfekten Pistenski gibt es nicht!

Leider können wir dir nicht die eierlegende Wollmilchsau präsentieren. Dafür sind die Menschen, die auf den Skiern stehen einfach zu verschieden und haben unterschiedliche Erwartungen an ihren Pistenski. Wir haben deshalb 3 Fahrtypen herausgeschrieben und zeigen dir, welchen Ski wir diesen Personen zuordnen würden.

  • Typ 1: Du bist gerne schnell unterwegs und liebst große, ausgefahrene Schwünge? Dann solltest du dir einen so genannten Race Carver genauer anschauen. Race Carver sind länger als andere Carvingmodelle und zeichnen sich durch eine große Laufruhe bei hohen Geschwindigkeiten aus. Eine gute Dämpfung sorgt zusätzlich für eine ruhige Fahrt bei hohem Tempo. Ein weiteres Merkmal ist die logische Konsequenz aus der längeren Bauweise: nämlich der größere Radius (ca. 20 m) beim Kurvenfahren. Auch die Mittelbreite ist beim Race Carver im Gegensatz zu Slalom Carvern eher im oberen Bereich(ca.70 mm) der sonst so schmalen Carving Ski anzusiedeln.
  • Typ 2: Du fährst gerne enge Kurven und liebst rasante Richtungswechsel? Dann solltest du den bereits erwähnten Slalom Carver testen. Er ist wesentlich kürzer als ein vergleichbarer Race Carver, wodurch er einen viel kleineren Kurvenradius hat. Bereits bei geringen Richtungsimpulsen reagiert der Ski. Um schnelle aufeinander folgende Richtungsimpulse umzusetzen, muss die Taillierung sehr schmal sein – man benötigt eben weniger Kraft, um einen 60 mm breiten Ski zu kippen als einen, der 70 mm breit ist. Aus diesem Grund zählen Slalom Carver zu den schmalsten Carving Ski Modellen ( Mittelbreite ca. 60 mm). Die hoheTorsionssteifigkeit sorgt zusätzlich dafür, dass Slalom Carver auch auf den härtesten Pisten den Kantenhalt nicht verlieren. 
  • Typ 3: Du willst dir von deinem Ski nicht sagen lassen, ob du lange oder kurze Schwünge fahren sollst? Dann sind Allround - oder Sport Carver deine go to Ski. Sie leisten sich weder bei langen noch bei kurzen Schwüngen nennenswerte Schwächen. Auch was ihre Länge betrifft, siedeln sie sich zwischen den kurzen Slalom - und den langen Race Carvern an. Das Gleiche gilt für die Mittelbreite, welche weder auffällig weit noch schmal für einen Carvingski ist (ca. 65 mm). Mit ihren Fahreigenschaften richten sie sich an ein mittleres Tempo und sind der perfekte Ski für geübte Einsteiger:innen.

Der Pistenski für Anfänger und Anfängerinnen

Frau im Schnee mit weißen Ski in den Hand

Auch wenn der Allround – bzw. Sport Carver mitunter für Anfänger:innnen geeignet ist, gibt es noch ein Skimodell, welches sich besser an die Bedürfnissen für Einsteiger:innen richtet. Die so genannten Easycarver sind noch einmal kürzer und leichter als die Allround- und Sportcarver. Sie sind darüber hinaus auch weniger Torsionssteif, wodurch sie bei langsamen bis mittlerem Tempo kraftsparender zu fahren sind. Mit einem Easycarver lassen sich Schwünge sehr fehlerverzeihend einleiten.

Was sind Ladyski/Damenski?

Auch wenn der Begriff Ladyski ein wenig salopp klingt, verbirgt sich dahinter ein wenig mehr, als du vielleicht vermuten magst. Ladyski unterscheiden sich nämlich in ihrer Bauweise von anderen Skimodellen. 

Ein klassischer Ladyski ist an den Körperbau von Frauen angepasst. Da das Gewicht eine wichtige Rolle bei der Auswahl des richtigen Skis spielt und Frauen meist leichter sind als Männer muss diese Tatsache auch bei der Konstruktion eines Skis berücksichtigt werden. Ladyski haben deshalb häufig grundsätzlich einen weicheren Flex, sodass auch bei geringerem Körpergewicht die Kantenlänge des Skis optimal ausgefahren werden kann. Auch was die Position der Bindung anbelangt, kann ein Ski für Frauen geringe Unterschiede aufweisen. Je nach Form des Skis kann der empfohlene Montagepunkt der Bindung ein Stück weiter vorne liegen. All das sind Möglichkeiten, auf ein leichteres Körpergewicht zu reagieren, ohne dabei die Fahreigenschaften des Skis merklich zu verändern. 

Dass Ladyski häufig auch anders designt werden, müssen wir glaube ich nicht noch extra erwähnen.

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