INTERSPORT Blog | 19. November 2020 | Lesezeit: 7 Minuten

Season Recap mit Lukas Kaufmann

Vielleicht ist euch der Name Lukas Kaufmann bereits in unseren Social Media Kanälen untergekommen. Lukas ist 26, professioneller Mountainbiker und wohnt in Oberösterreich. In seinem jungen Alter hat er auf dem Fahrradsattel sitzend schon einiges von der Welt gesehen: Rennen durch die Wüsten Dubais und durch die Einöden Australiens und Amerikas.

Lukas liebste Rennformate sind extrem – und mit extrem meinen wir meist extrem lang. Er fährt Distanzen, die bei den meisten allein vom Zuhören für Schmerzen der Sitzmuskeln sorgen. Fit zu sein, ist hier nur ein kleiner Aspekt, der über Sieg oder Niederlage entscheidet. Wer mental nicht stark genug ist, gibt auf.

Seit einiger Zeit ist Lukas Athlet von INTERSPORT und fährt für unsere Exklusivmarke Genesis.

Verständlicherweise wurde das Jahr 2020 bereits bei vielen aus dem Kalender gestrichen. Wir wollten die Gelegenheit dennoch nutzen und haben uns mit Lukas zusammengesetzt (natürlich nur virtuell) und ihn über diese nicht ganz einfache Saison ausgefragt.

Hi Lukas, bevor wir uns direkt auf das missratene Corona-Jahr stürzen, beschreib uns mal, wie eine normale Saison für dich aussehen würde?

Meine Saison beginnt im Herbst. Ich besuche meine Sponsoren, um das Budget für das kommende Jahr zu verhandeln. Sobald ich weiß, wie viel Geld verfügbar ist, geht´s an die Planung. Neben gewissen Fixpunkten wie die Salzkammergut Trophy versuche ich mir auch Rennen zu suchen, die neu für mich sind. Sobald ich die großen Meilensteine gesetzt habe, fülle ich die Lücken. Früher bin ich zusätzlich im Frühjahr auf Trainingslager gefahren, doch mittlerweile fahre ich bereits im Februar meine ersten Rennen im Süden.

Wie hältst du die Belastung die ganze Saison über aus, wenn du bei jedem dieser Rennen 100 % gibst?

Gerade die Events am Anfang des Jahres, die das Trainingslager ersetzen, sind dafür da, um mich auf die Wettkampfsaison einzustimmen. Es gab Jahre, da war ich nur an 3 Wochenenden während der Saison zuhause. Den Rest der Zeit bin ich Rennen gefahren. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir die Kraft und Motivation zum Ende der Saison gefehlt hat. Seit anderthalb Jahren nehme ich an weniger Wettkämpfen teil, um bei den Verbleibenden fit und konzentriert zu sein.

Wie viele Manager_innen braucht es, um die Saison von Lukas Kaufmann zu planen?

Haha, das schaffe ich tatsächlich noch alleine.

Die Rennen, an denen du teilnimmst, stehen die für sich oder sind die Bestandteil eines Dachverbands aus denen am Ende ein Gesamtsieger hervorgeht?

In Österreich gibt es tatsächlich zwei Rennserien, die ich früher auch gefahren bin: die Topsix sowie die Mountainbike Challenge. Das Gute daran ist, dass du mit einer einmaligen Startgebühr bei allen Rennen angemeldet bist. Das spart Zeit und Geld. Viele der Rennen, die ich mitfahre, stehen allerdings für sich alleine. Wettkampfpunkte, die ich sammeln könnte, interessieren mich eher weniger. Mich reizt das Extreme und Ungewisse. Dieses Jahr hätte ich geplant gehabt, ein Rennen in Kolumbien zu fahren, wo die Strecke auf über 4000 Metern verläuft – so hoch war ich noch nicht einmal zu Fuß.

„Ich habe mich dann schon auch fragen müssen, weshalb ich auf so viel verzichte und mich quäle, wenn die Wettkämpfe, für die ich trainiere, nicht stattfinden.“

Jetzt zu den Corona-Fragen. Was motiviert dich in dieser Zeit, aufs Rad zu steigen, wo doch so viele Wettkämpfe ausgefallen sind?

Ich hatte noch ein bisschen Glück, da ich, bevor der Lockdown kam, noch die Hero World Series in Dubai und das 24 Hours in the Old Pueblo Rennen in Amerika mitfahren konnte. Als dann aber im Frühjahr Veranstalter Events, die im Herbst geplant waren, gestrichen haben, war absehbar, dass uns das ein bisschen begleiten wird.

Ich habe mich dann schon auch fragen müssen, weshalb ich auf so viel verzichte und mich quäle, wenn die Wettkämpfe, für die ich trainiere, nicht stattfinden.

Einige Events wie das Race Around Austria konnten glücklicherweise umgesetzt werden.

*Das Race Around Austria ist ein 2200 km langes Straßen(Rennrad)Rennen entlang der österreichischen Landesgrenze. Auf der Strecke gilt es insgesamt 30 000 Höhenmeter zu überwinden und obwohl Lukas normalerweise auf dem Mountainbike sitzt, konnte er bei seiner ersten Teilnahme bereits auf den 4. Platz fahren. Nach 4 Tagen, 6 Stunden und 13 Minuten erreichte Lukas das Ziel – insgesamt schlief er während dieser Zeit nur ca. 4-5 Stunden.

Wie siehst du die Rolle der Veranstalter in diesen Tagen?

Zu Beginn war ich schon traurig darüber, dass sich viele Veranstalter bereits im Frühjahr dazu entschlossen haben, ihre Rennen im Spätsommer ausfallen zu lassen – gerade wenn man bedenkt, dass einige davon möglich gewesen wären. Das lässt sich rückblickend aber auch sehr leicht sagen. Man muss sich auch die Situation der Veranstalter vor Augen führen: Nischensportarten wie MTB sind nicht so finanzstark, wie es im Fußball der Fall ist. Viele Events werden dank der Hilfe von freiwilligen Helfern und Helferinnen umgesetzt. Hygienekonzepte und Coronatests kosten Geld, was nicht vorhanden ist. Von daher sind die Entscheidungen nachvollziehbar.

Die Salzkammergut Trophy konnte stattfinden, weil eine permanente Zeiterfassung installiert wurde. Ich liebe es zwar, mit anderen Schulter an Schulter um Platzierungen zu kämpfen aber das geht logischerweise zurzeit nicht. Viele meiner Freunde sind dieses Jahr nicht mitgefahren, weil z.B. die jubelnden Zuschauer_innen am Salzberg gefehlt haben oder niemand beim Zieleinlauf stand. Ich kann beide Seiten gut verstehen.

„Ich bin im Training teilweise mit Zusatzgewichten am Helm gefahren.“

Du hast ja schon erwähnt, dass du dieses Jahr auch an Rennrad-Wettkämpfen teilgenommen hast. Wie ist dir der Wechsel zwischen den Disziplinen bekommen?

Bis ich 23 war, habe ich mein Grundlagentraining auf dem Rennrad gemacht, während ich Intervalleinheiten dann auf dem MTB gefahren bin. Es hat trotzdem ein paar Tage dauert, bis ich mich an den Tritt gewöhnt habe. Nach einer Woche habe ich dann aber auf dem Rennrad dieselben Watt, wie auf dem MTB getreten.

Am anstrengendsten war tatsächlich die Haltung, die viel aggressiver ist. Man überstreckt ständig seinen Kopf, was die Nackenmuskulatur stark beansprucht. Beim Race Around Austria, wo ich bis auf wenige Pausen durchfahren wollte, musste ich also meine Nackenmuskulatur zusätzlich trainieren.

Ich bin im Training teilweise mit Zusatzgewichten am Helm gefahren.

Wie sehen dein Pläne für die kommende Saison aus?

Zunächst abwarten und schauen, ob es Wettkämpfe geben wird. Ich bin aber momentan auch dabei, eigene Projekte zu planen für den Fall, dass auch nächstes Jahr viele Events ausfallen.

Gibt es abschließend noch irgendwelche Travelhacks von Lukas Kaufmann, die einen das Reisen mit dem Bike erleichtern?

Hmm, wer vorhat, viel mit dem Bike zu fliegen, kann sich nach Membership-Optionen umschauen. Da gibt es teilweise echt gute Angebote. Man zahlt eine Summe X und kann bspw. ein Jahr lang das Bike umsonst als Sperrgepäck mitnehmen. Ansonsten immer darauf achten, dass man das Gewicht vom Sperrgepäck ausnutzt, da ist meist viel Luft! 

Gibt es irgendwelche peinlichen Songs, die Lukas während eines Rennens hört oder ein Kuscheltier, was immer dabei ist?

Nein, sowas gibt´s eigentlich nicht. Das einzig Konstante ist meine Packliste, nicht dass ich irgendwann ohne Fahrrad dastehe.

Vielen Dank Lukas und wir hoffen, dass du nächstes Jahr wieder wie gewohnt weltweit Rennen bestreiten kannst. Wir sehen uns sicher vor dem Saisonstart noch einmal, um zu schauen, wie du durch den Winter gekommen bist.

Das könnte dich auch interessieren:

Zurück zur Übersicht