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Interview mit Sportpsychologin: Tipps gegen den „inneren Schweinehund“

27.07.2011

Im dritten und letzten Teil des großen Interviews mit Sportpsychologin Sabine Würth gibt’s exklusive Tipps gegen den „inneren Schweinehund“, der viele Hobby- und Profisportler plagt. Außerdem geht es wieder um das Thema Sportler-Comebacks.

  Intersport-Blog: Ist es unter Leistungssportlern gängig, sich beim Rücktritt psychologische Hilfe zu nehmen?

Würth: Das ist schwer zu sagen. Es ist immer wieder ein Thema, ist aber bislang in vielen Bereichen viel zu sehr vernachlässigt worden. Mittlerweile gibt es Einrichtungen wie die KADA, die genau das aufgreifen und die Sportler darauf ansprechen. Da kann die Sportpsychologie auch sehr viel Hilfestellung geben. Gerade hierzulande ist es in den allerwenigsten Fällen so, dass ich mit 30 oder 35 wenn ich mit dem Sport aufhöre, die finanzielle Absicherung geschafft habe. Michael Schumacher zum Beispiel, ist die absolute Ausnahme.

Unabhängig davon ist man mit 35 Jahren nach dem Sportlerkarriereende ja nach wie vor ein junger Mensch. Das heißt, ich muss ja dann ‚irgendetwas‘ tun. Und dieses „ Irgendetwas“ zu konkretisieren und sinnvoll zu gestalten, ist die Herausforderung, der es sich zu stellen gilt.

 

„Mit 35 Jahren nach Ende einer Profisport-Karriere ist man ja nach wie vor ein junger Mensch.“

Sabine Würth , Sportpsychologin
Foto: privat

Anerkennung ist im Zusammenhang mit Sportler-Comebacks auch ganz wichtig: Ich bin als Sportler in den Medien. Es ist zu einem wichtigen Bestandteil meines Lebens geworden, von außen wahrgenommen zu werden. Und wenn das wegfällt, sieht man durchaus erfolgreiche Sportler, die sich in einschlägigen TV-Sendungen, Stichwort „Dschungelcamp“, versuchen.

Intersport-Blog: Zum Schluss noch eine ganz andere Frage. Viele Hobbysportler plagt der „Innere Schweinehund“. Haben Sie Tipps, wie man sich zum Sport motivieren kann?

Würth: Das Team um Professor Fuchs aus Freiburg in Deutschland befasst sich im deutschsprachigen Raum sehr intensiv mit genau dieser Frage. Man kann drei Empfehlungen aus diesen Forschungen ableiten:

  • Hilfreich sind für uns kleine, konkrete Pläne. Wir neigen in unserem Kulturkreis dazu, etwas, das ausgeschrieben ist und genau minutiös geplant ist, auch eher durchzuhalten. Wir müssen das einfach in den regelmäßigen Tagesablauf einbinden. Das gelingt uns bei neuen Verhaltensweisen dadurch, dass wir ganz konkrete Pläne machen. Das heißt zum Beispiel: Um 17 Uhr laufe ich eine bestimmte Strecke bis 17.30 Uhr.

  • Soziale Unterstützung suchen, zum Beispiel: Um 17 Uhr treffe ich mich mit meinem Freund und wir laufen gemeinsam eine bestimmte Strecke. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ich es tatsächlich durchführe.

  • Barriere-Management. Fuchs nennt das auch Intensionsabschirmung. Ich überlege mir schon vorher: Was kann um 17 Uhr passieren, das mich davon abhält, diese Tätigkeit auszuüben. Eine oft genannte „Ausrede“ ist das Wetter. Kann ich etwas gegen das Wetter machen? Ja, nein? Wenn ja, was? Zum Beispiel eine Alternative suchen: In der Halle laufen gehen. Oder: Angemessene Kleidung kaufen, um im Freien trotzdem laufen gehen zu können.

Eine weitere klassische Barriere: Ich bin schon zuhause, sitze vorm Fernseher und komme nicht mehr hoch. Wie kann ich die Barriere bewältigen? Ich gehe gar nicht erst nach Hause, sondern ich gehe um 17 Uhr vom Büro aus direkt zur Sportstätte.

Wenn ich mir also vorher schon eine Strategie zurecht gelegt habe, wie ich mit solchen Barrieren umgehe und mir ganz konkrete Lösungsschritte überlegt habe, dann tu ich mich leichter, dementsprechend zu handeln, wenn es die Situation erfordert.

Mit jedem Mal, bei dem ich diese Verhaltensweise erfolgreich absolviert hat, erhöht sich auch meine positive Konsequenzerfahrung und ich weiß dann: Aha, ich hab das geschafft. Und Sport bringt ja viele positive Begleiterscheinungen mit sich. Es geht einem nachher einfach besser, ich werde fitter, und so weiter. So wird das neue Verhalten belohnt und damit auch attraktiver für mich.

Und irgendwann wird Sporttreiben dann zum „habituierten Verhalten“, wie Zähneputzen: Man denkt nicht mehr darüber nach, sondern macht es einfach. Das Verhalten wird zur Gewohnheit.

Der innere Schweinehund wird also dann besiegt, wenn man seine Schwächen erkennt und wenn man genau weiß, wo er einhakt. Und er hakt besonders gerne dort ein, wo ich keinen konkreten Plan habe.



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Ende der Serie.

Zum Thema:
Interview Teil 1
Interview Teil 2