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Interview Teil zwei: Warum viele Sportler ein Comeback wagen

20.07.2011

Michael Jordan, Lance Armstrong, Michael Schumacher – es gibt viele prominente Sportler, die nach dem Ende ihrer Karriere nochmal in den Profisport zurückkehren. Aber was bewegt sie dazu? Teil zwei der Interview-Serie mit Sportpsychologin Sabine Würth von der Universität Wien beschäftigt sich mit dem Motivator Geld.

Intersport-Blog: Kann Geld zum Verbleib oder später zum Comeback motivieren?

Würth: Soweit mir bekannt ist, spielt Geld beim Comeback eher eine untergeordnete Rolle. Geld zu haben ist natürlich gut und gibt Sicherheit. Wenn man sich aber die Comebacks bekannter Sportler anschaut, ist das in der Regel nicht aufgrund finanzieller Interessen. Es sind eher soziale Faktoren. In vielen Sportarten wird ja immer das Familiäre betont. Vor allem in Randsportarten ist es oft wie in einem Familienverbund. Aus dieser Familie „rauszufallen“ ist natürlich ein schwieriger Prozess. Und in den Schoß der Familie zurückkehren, ist dann für manche das Ziel.


„Geld spielt eher eine untergeordnete Rolle. In den Schoß der ‚Familie‘ zurückzukehren, ist für manche das Ziel.“

Sabine Würth, Sportpsychologin
Foto: privat

Intersport-Blog: In Interviews mit Sportler, die ein Comeback versuchen, hört man immer wieder: „Ich will es mir nochmal beweisen.“ Ist es nicht eher so, dass der Sportler es anderen zeigen möchte, „dass er es noch kann“?

Würth: Das ist die Frage. Da müsste man in den Sportler hineinschauen können.

Intersport-Blog: Kann das die Psychologie?

Würth: Es gibt kaum Studien, die sich intensiv mit Sportler-Comebacks befassen. Ziele zu formulieren und anzupassen ist allgemein betrachtet eine ganz wichtige Karriereende-Bewältigungskompetenz. Das zeigt sich auch bei den Studien, die sich mit der erfolgreichen Bewältigung des Karriereendes beschäftigen. Diese zeigen, dass Personen, die in der Lage sind, realistische Ziele zu stecken und das Ende der beruflichen Laufbahn schon während der Karriere vorbereiten, eher in einem Leben außerhalb des Sports Fuß fassen können. Je konkreter und kontrollierbarer diese Ziele sind, umso leichter fällt den Leuten auch emotional der Abschied aus dem Leistungssport.

Intersport-Blog: Manche Sportler haben nach ihrer Karriere finanziell ausgesorgt. Kann der Traum von „Ab auf die Insel“ zum Alptraum werden?

Würth: Ja natürlich. Geld macht nicht unbedingt glücklich. Finanzielle Absicherung ist gut, aber Menschen streben nach Selbstverwirklichung. Das ist eine ganz wichtige Komponente. Die Basisbedürfnisse, sprich: eine Familie gründen und so viel Kapital zu haben, um diese ein Leben lang ernähren und versorgen können, haben sich beispielsweise bei einem Michael Schumacher im Alter von 30 Jahren erledigt. Da entsteht eine Lücke, die gefüllt werden will. Man stellt sich das einfacher vor, als es ist. Und wir wissen auch, dass viele Athleten nach der Karriere versuchen, ihrem Leben eine neue Richtung, einen neuen Sinn zu geben, aber dann regelrecht „baden gehen“.

Es ist wichtig, sich realistische Ziele zu setzen und schon während der Karriere eine zweite Schiene aufzubauen, sich Bewältigungskompetenzen anzueignen und auch Kompetenzen und Connections für die Nachkarriere nutzbar zu machen.

In Österreich gibt es zum Beispiel die „KADA“. Die Abkürzung steht für „Karriere danach“ . Das ist eine Institution, die schon während der Sportkarriere Service- und Hilfeleistungen für Sportler anbietet, um für danach zu planen. Wir kennen diese Modelle aus Deutschland. Zum Beispiel gibt es da an den Olympia-Stützpunkten sogenannte „Laufbahnberater“. Diese geben ganz konkrete Hilfestellungen. Es gibt etwa Kooperationen mit Betrieben, die Ausbildungsstellen für Nachwuchs-Leistungssportler anbieten.


Teil drei nächste Woche
Teil drei der Interview-Serie erscheint am 27. Juli im Intersport-Blog. Neben weiteren Fragen und Antworten zum Thema Sportler-Comebacks gibt es schlagkräftige Tipps für den Kampf gegen den inneren Schweinehund.