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Die härteste Skitour des Jahres: check!

24.12.2013

Sieben Wochen inmitten von Achttausendern, damit eine Skiabfahrt gelingen kann: Der 40-jährige Salzburger Markus Amon kann den Mount Manaslu (8163 Meter) auf seiner Liste abhaken - viel weiter kann es für einen Skifahrer nicht hinauf gehen. Der Intersport-Blog sprach mit dem erfahrenen Alpinisten aus dem Team McKinley über seine Clearskies-Expedition.

Intersport: Wie lange dauerte die Vorbereitung auf dieses Projekt?

Markus Amon: Die körperliche und mentale Vorbereitung inklusive der Logistik nahm 15 oder 16 Monate in Anspruch. Auf eine Speedbegehung muss man sich ganz diffizil vorbereiten. Man steigt 3000 Höhenmeter auf mehr als 8000 Meter auf, Flaschensauerstoff wäre wie Doping. Künstlicher Sauerstoff beim Höhenbergsteigen, das ist, als würdest du die Tour de France mit einem Moped fahren.

Ihr seid zu viert ins Himalaya-Gebirge aufgebrochen, den Gipfel nahmen Sie aber alleine in Angriff.

Das war so geplant, weil ich schon vorher solche Begehungen gemacht habe - by fair means, das heißt: ohne künstliche Hilfsmittel wie Hochträger oder zusätzlichen Sauerstoff. Mir ging es um die Speedbesteigung, also von möglichst weit unten hinauf zum Gipfel und wieder herunter. Und das in weniger als 24 Stunden.

Ziel war ja nicht nur der Aufstieg, sondern auch das Abfahren auf Ski. Hat das noch etwas mit normalem Skifahren zu tun?

Für mich macht es die Kombination so spannend: Durch die Geschwindigkeit beim Abfahren gewinnt man mit jedem Meter an Sicherheit. Wenn ich das alles zu Fuß hinunter gehen müsste, wäre ich um ein vielfaches länger in der Höhe. Aber mit lockerem Schwingen hat das da oben natürlich nichts mehr zu tun. Ich halte mich an den Leitspruch: Lieber schlecht gefahren als gut gegangen. Du nimmst nicht hundert Schwünge, sondern eben nur dreißig. Danach bleibst du stehen und schnaufst. Ich habe einen perfekten Tag erwischt. Im Gipfelbereich gab's 40 Zentimeter frischen Pulverschnee.

Kann man die Abfahrt in dieser Höhe überhaupt genießen?

Es ist natürlich etwas anderes, als wenn du im Bruchharsch fährst. Die Bewegung hast du ja in dir drinnen, ich konnte es schon genießen. Da ist der große Stress ja schon vorbei. Ich hatte ein sehr enges Zeitfenster. Was man oben am Berg tut, sieht zwar sehr heroisch aus, aber es gibt ein ganz enges, ungeschriebenes Regelwerk. Man muss eine gewisse Aufstiegsrate erfüllen und an definierten Zeitpunkten Wegpunkte erreichen, damit man sicher zurückkommt. Für die Abfahrt, etwa acht Kilometer bis ins Basislager, waren drei Stunden einkalkuliert.



 

Wie entstand die Idee zur Clearskies Expedition?

Im Jahr 1981 gelang dem Salzburger Peter Wörgötter, der heute bei mir ums Eck lebt, die weltweit erste Skiabfahrt von einem Achttausender. Ich dachte mir: Wenn die das mit dem damals zur Verfügung stehenden Equipment geschafft haben, dann muss das gehen. Peter ist ein Vorbild für mich. Für mich ist der Manaslu zudem einer der formschönsten Achttausender.

Wie trainiert man für so extreme Höhen?

Man simuliert das Training auf 5000 Metern. Ohne Sauerstoff ist das, als würde man einen Heizkörper schlucken. Aufgrund der verminderten Sauerstoffaufnahme hast du ein vermindertes Wärmeempfinden, das heißt mit der Kälte muss man gar nicht so kämpfen. Das ist aber auch genau das Problem: Der Körper bringt die Wärme nicht mehr nach draußen und es wird gefährlich für Erfrierungserscheinungen. Die Gefahr einer Unterkühlung ist ohne zusätzlichen Sauerstoff sehr viel höher. Darauf kann man sich im Vorfeld nur vorbereiten, indem du die Ausdauer trainierst. Ich bin 24-Stunden-Läufe und Ultra-Trails gelaufen.

Was kann oder muss man vor Ort in Nepal noch tun?

Da muss man sich sowieso der Höhe anpassen. Du kannst trotz bester, körperlicher Voraussetzungen nicht einfach nach Nepal fahren und in drei Wochen wieder daheim sein. Wir waren sieben Wochen unterwegs, haben schon beim Anmarsch einen 5000 Meter hohen Pass überschritten und auch mehrmals in dieser Höhe übernachtet. Im Basislager und mit dem sukzessiven Einrichten der Höhenlager ging’s Tag für Tag besser.

Und die mentale Vorbereitung?

In dieser Höhe bist du kognitiv nicht so frei, dass du Entscheidungen treffen kannst. Du musst vorbereitet sein. Jede Entscheidung, die ich da oben fälle, jede Schublade, die ich aufmachen muss weil etwas passiert, da brauche ich ein Rezept dahinter. Das Was-wäre-wenn muss man in der Vorbereitung durchspielen.



 

Was stand während der Expedition auf der Speisekarte?

Im Basislager hat man einen Koch, der aus seinen kleinen Töpfen alles Mögliche zaubert. Darüber hinaus muss man aber jedenfalls wissen, was man in der Höhe verträgt. Bei mir ist das hochkalorische Babynahrung: Grießbrei, Milchreis, Cuscus - viel Flüssigkeit und leicht verdaulich. Während der Belastung dann Gels. Und ab und zu ein Stückerl Speck. (lacht)

Und wie ist es mit der Flüssigkeit?

Man muss sich während der Bergetappen richtig zwingen, etwas zu trinken, weil’s einem nicht abgeht. Ohne bewusstes Trinken, hätte ich kein Durstgefühl gehabt. Fünf bis sechs Liter braucht man da oben am Tag - da muss man sehr viel Schnee schmelzen.

Welcher Eindruck bleibt?

Dass man die sportliche Leistung so bringen konnte, wie ich mir das vorgestellt habe, also by fair means. Es bleibt aber auch ein negativer Eindruck, und das ist die Veränderung, die im Land spürbar ist. Ich kenne Nepal seit zehn Jahren und dort ist nun eine Generation am Werken, wo man als selbstständiger Bergsteiger nicht mehr gerne gesehen ist. Da schwingt Wehmut mit.

Wie kann man diese Skitour am Manaslu noch toppen?

Es gibt schon noch einen höheren Achttausender, den man mit Ski befahren kann, den Cho Oyu. Aber das ultimative Skigelände schreibe ich dem Manaslu zu. Es gibt in meinem Kopf schon noch ein paar Projekte, die ich umsetzen möchte, das war noch nicht der Peak meiner Karriere. Aber über ungelegte eier spricht man ja nicht. (lacht)


Markus Amon (40) lebt im Salzburger Land und gilt als Urvater des Team McKinley. Er ist HCM Operation Manager der Christophorus Flugrettung und unterstützt die Produktentwickler von McKinley seit 2007 mit seinem Fachwissen. Er testet die Innovationen auf Naht und Faser, damit das Equipment später hält, was es verspricht.


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