INTERSPORT Österreich :: Aktuell - Blog :: - Nerven- und Materialschlacht beim 24-Stunden-Downhill am Semmering ::
|Mehr

Nerven- und Materialschlacht beim 24-Stunden-Downhill am Semmering

14.08.2013

Der 24-Stunden-Downhill „Race The Night“ am Semmering gilt als eines der härtesten Mountainbike-Rennen der Welt. Der Intersport-Blog begleitete Überraschungssieger Andreas Viehböck (26) aus Gmunden bei seinem Abenteuer. Der leidenschaftliche Amateursportler ließ in einem nervenaufreibenden Rennen sogar Snowboard-Weltmeister Bejamin Karl hinter sich, der sensationeller Dritter wurde.

Am 10. und 11. August fand am Semmering das 7. " Race the Night " statt. Insgesamt 400 waghalsige Mountainbiker aus 13 Nationen stürzten sich 24 Stunden nonstop eine 2,7 Kilometer lange Downhill-Strecke den Semmering hinunter, kurze "Verschnaufpause" gab’s nur während der fünf- bis sechsminütigen Gondelfahrten. Es gab 6er-, 4er- und 2er-Teams, die Königsklasse war aber die Wertung der Einzelstarter, in der auch der 26-jährige Andreas Viehböck ( LRC Almtal ) aus Gmunden Samstagmittag an den Start ging. Im Vorjahr war er bereits mit einem 2er-Team dabei, doch heuer reizte ihn nur noch die Herausforderung als One-Man-Show. Auf der facebook-Seite von Intersport gibt’s Fotos, Videos und Live-Updates vom Rennen!

Foto: Markus Wagner




 



Das war das „Race The Night“ – der Rennfilm:


12:00 Uhr … Start im Le-Mans-Stil! 



13:58 Uhr … Andreas übernimmt erstmals die Führung

15:02 Uhr … Die Schrauben am Kettenblatt haben sich gelöst, das Kettenblatt verabschiedet sich von der Kurbel. Andreas muss vorübergehend auf das Ersatzbike umsteigen, während seine Betreuer das andere Bike wieder in Schuss bringen. Allerdings das Kettenblatt ist so verbogen, das vor allem in Kurven für den Rest des Rennens die Kette herausspringen wird.

15:32 Uhr … Erste Verwarnung für Andreas durch die Rennleitung, weil auf dem Ersatzbike keine Startnummer montiert ist. Eine weitere Verwarnung, und Andreas wäre disqualifiziert.

16:52 Uhr … Andreas kann in der Wechselzone wieder auf das bessere Bike umsteigen.

16:00 Uhr … Erste Nahrungsaufnahme mit Gel

19:00 Uhr … Zweite Nahrungsaufnahme mit Gel

19:25 Uhr … Crash eines anderen Riders mitten auf der Strecke, eine vorübergehende Streckensperre bremst das übrige Starterfeld. Nach etwa 15Minuten Unterbrechung kann es weitergehen, der verletzte Rider wird mit dem ÖAMTC-Hubschrauber in ein naheliegendes Spital gebracht.

22:45 Uhr … Dritte Nahrungsaufnahme mit Gel

23:29 Uhr … Bei Andreas‘ Bike reißt das Schaltkabel! Er fährt damit weiter und schafft es binnen vier Bergfahrten, sein Bike selbst in der Gondel zu reparieren.

02:00 Uhr … Vierte Nahrungsaufnahme mit Gel

03:00 Uhr … Nach 15 Stunden liegen Andreas und Bork Schützenhofer bei gleicher Rundenanzahl (92!) in der Downhill-Gesamtzeit nur unglaubliche 5 Sekunden auseinander.

05:00 Uhr … Fünfte Nahrungsaufnahme mit Gel

07:04 Uhr … Andreas bemerkt beim Ausstieg aus der Gondel das platte Vorderrad, hinten sind längst die Bremsbacken am Ende. Zuerst versucht Andreas noch laufend die Downhill-Strecke hinunter zu laufen, um die Runde nicht zu verlieren. Allerdings entscheidet er sich nach 200 Metern um, läuft zurück zur Gondel und wechselt im Tal wieder vorübergehend auf das Ersatzbike.

07:32 Uhr … Andreas kann auf das reparierte Bike wechseln, liegt aber nun auf dem dritten Rang.

08:00 Uhr … Sechste Nahrungsaufnahme mit Gel

10:00 Uhr … Siebente Nahrungsaufnahme mit Gel

10.10 Uhr … Andreas überrundet den drittplatzierten Benjamin Karl und jagt nun den Führenden, Bork Schützenhofer.

11:59 Uhr … Der Stadionsprecher feiert bereits Bork Schützenhofer als Gesamtsieger, als Andreas plötzlich im Zielhang auftaucht und die Liftschranke 15 Sekunden vor dem Ende ein letztes Mal passieren kann und somit noch einmal auf den Berg darf, um so wie Bork Schützenhofer 148 Abfahrten zu schaffen. Allerdings verliert Andreas bei der Bergstation plötzlich den Funkkontakt zu seinem Team! Zu diesem Zeitpunkt beträgt der Vorsprung bei der Downhill-Gesamtzeit etwa 2:30 Minuten, Andreas verliert den Überblick. Er geht erst auf’s stille Örtchen, lässt sich dann von anderen Ridern gratulieren und stürzt schlussendlich auch noch bei der letzten Abfahrt, weil ihn endgültig die Kräfte verlassen. Aber: Er kann den Vorsprung mit 27 Sekunden am Ende doch noch ins Ziel retten und sorgt damit für ein legendäres, unvergessliches Finish beim 7. „Race The Night“ am Semmering – das Zielstadion steht  Kopf!

Benjamin Karl (l.) gratuliert Andreas Viehböck zum Sieg in der Einzelwertung. Foto: Markus Wagner

Auf Platz zwei landete der tapfer kämpfende Lokalmatador Bork Schützenhofer , den dritten Platz belegte sensationell Profi-Snowboarder Benjamin Karl, der nach eigenen Angaben davor noch nie in einem Bikepark zum Mountainbiken war. Alle Ergebnisse im Detail .


Spannende Details am Rande: Andi fuhr beim „Race The Night“ 399,6 Kilometer und 51.800 Höhenmeter im Renntempo bergab. Das entspricht nicht nur der Strecke Wien-Graz-Wels , sondern auch sechs Abfahrten vom Mount Everest bis auf Meereshöhe!

 

Die Leidensgeschichte von Andreas Viehböck ist lang – und beeindruckend. Foto: Markus Wagner

Ein Kämpfer mit viel Leidenschaft und Herz

Was Andreas' Geschichte aber umso bemerkenswerter macht, ist seine Historie: 2010 verletzte er sich bei einem Motocross-Unfall in Ungarn schwer an beiden Beinen. Nach einem zu weiten Sprung zog er sich bei der Landung komplizierte Brüche beider Schienbeine und Fußgelenke zu. Riesige Narben zeugen von den Operationen. Die Ärzte sprachen damals von einem "Wunder", sollte Andi jemals wieder normal gehen können. Doch Andreas kämpfte sich in der Reha zurück in seine Leidenschaft, den Sport. Bereits drei, vier Monate nach der OP humpelte er quasi auf Krücken auf sein Mountainbike und zog bereits wieder die erste Runde – wohlgemerkt unter Schmerzen, aber sein Bewegungsdrang war einfach größer.

Nun, drei Jahre später, steht der Amateursportler am Gipfel seiner Karriere: Er hat das prestigeträchtige "Race the Night“ am Semmering gewonnen. Ein Rennen, das es so kein zweites Mal auf dem Planeten gibt. 148 Downhills in 24 Stunden: So viele Abfahrten schafft ein ambitionierter Amateursportler sonst während einer ganzen Saison nicht. Man kann vor ihm und seiner Leistung nur resprektvoll den Hut ziehen.

Sie haben zu diesem Thema Tipps oder Anregungen? Unser Blog-Autor michael.vielhaber_(a)_intersport.at freut sich auf ihre Nachricht!