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Didi Constantinis wunderbare Welt des Fußballs

03.02.2014

Seit 16 Jahren begleitet Didi Constantini Mädchen und Burschen auf ihrem Weg ins Fußballerleben. Intersport Österreich unterstützt den ehemaligen ÖFB-Teamchef tatkräftig bei den Fußballcamps, die für den 58-jährigen Tiroler mehr Berufung denn Beruf sind.

Wer an den Fußball-Camps teilnehmen möchte, sollte sich rasch anmelden!

Die Termine

 

3-Tages-Camp:

Sa, 07.06.14 - 09.06.14 Waidring* T
Fr, 13.06.14 - 15.06.14 Axams* T

 

Fr, 27.06.14 - 29.06.14 Alpbach* T
Di, 01.07.14 - 03.07.14 Göstling* NÖ

Wochencamps:

So, 06.07.14 - 11.07.14 Mieming T
So, 13.07.14 - 18.07.14 Ernsthofen OÖ
So, 20.07.14 - 25.07.14 Mittersill S
So, 27.07.14 - 01.08.14 Gmunden OÖ

 

So, 03.08.14 - 08.08.14 Wiener Linien* W
So, 10.08.14 - 15.08.14 Bad-Vöslau* NÖ
So, 17.08.14 - 22.08.14 Münster T
So, 24.08.14 - 29.08.14 Breitenau* NÖ

*(nur Tagesteilnehmer)

 

Mehr Informationen finden Sie hier ...

Im Gespräch mit dem Intersport-Blog lässt der leidenschaftliche Coach tief in seine wunderbare Welt des Fußballs blicken.

Intersport: Die Fußballcamps finden heuer bereits zum 16. Mal statt. Sie betonen stets, dass Ihnen die Camps wichtiger als jedes Trainer-Engagement bei einem Verein sind. Warum?

Didi Constantini : Das mit den Camps mag für Manchen unverständlich sein, aber ich will das so. Ich war vor 25 Jahren mit Peter Koncilia in Amerika und habe dort solche Camps zum ersten Mal erlebt. Dann war ich 1997 sechs Stunden lang Trainer bei Vorwärts Steyr , weil die damals gestritten haben - das war vor Mainz 05. Die habe ich als Vorletzter übernommen und sie als Neunter verlassen. Die Familie wollte zurück nach Tirol und ich meine Töchter aufwachsen sehen. Da entstand die Idee zu den Camps, seither mache ich das.

Und was hält die Motivation aufrecht, mit den Kids zu arbeiten?

Die war schon immer da, ich habe immer mit Kindern gearbeitet. Der Nachruf der Eltern bei den Camps ist immer gut, jeder will im nächsten Jahr wiederkommen. Es geht darum, dass das Kind Spaß hat. Ich hatte nie einen Trainer im Team, der mit den Kindern schimpft, weil das auf dem Platz nichts verloren hat. Wir hatten inzwischen auch schon mehr als 400 Mädchen, die waren immer sensationell. Ich habe damals mit 16 Kindern in Deutsch-Wagram begonnen, ein Jahr später waren es schon 80 Kinder. Seither wurden es immer mehr.

Wie kam eigentlich die Partnerschaft mit Intersport Österreich zustande?

Ich glaube, das ist jetzt sieben Jahre her. Ich habe schon vor 30 Jahren erste Bande geknüpft, als ich bei Raika Wels gespielt habe.

Junge Spieler waren Ihnen immer ein besonderes Anliegen. Spieler wie David Alaba und Aleksandar Dragovic, die zu den wertvollsten Kickern Österreichs zählen, haben unter Ihnen im Nationalteam debütiert.

Auch der Daniel Royer ist so einer - das ist eine lustige Geschichte. Daniel war drei, vier Mal bei meinem Camp in Mittersill. Der hatte so blonde Haare wie Gaizka Mendieta und so haben wir ihn immer genannt. Der Daniel hatte die Fähigkeiten Profi zu werden, das habe ich ihm gesagt. Zwei Jahre später ruft er mich an, er sei jetzt bei der Sturm-Akademie. Dann hatte ich ihn aus den Augen verloren, bis da in Ried ein Royer herumgelaufen ist. Als ich Teamchef war, habe ich dort nachgefragt, was sie dort von ihm halten. „ Das ist zu früh“, haben sie gesagt und ich habe geantwortet: „ Gut. Wenn ihr sagt, es ist zu früh, dann hole ich ihn gleich.“ Dann kommt er im Training auf mich zu uns fragt mich, ob ich ihn noch kenne, ich hätte ihn immer Mendieta genannt. Ich hatte ihn im Handy unter "Daniel Mendieta Mittersill" eingespeichert. Der war fertig. Auch der Aleksandar Dragovic ist damals als jugoslawischer Bub zum Camp gekommen, er hatte kein Geld und wollte unbedingt Fußball spielen - deshalb haben wir ihn dazu genommen, er war in Langenlebarn und im Burgenland bei uns.

Und wie war das bei Julian Baumgartlinger?

Der war fünf, sechs Mal bei mir. Da hat immer wieder 1860 München angerufen, die Bayern waren zuerst reserviert - 1860 hat ihn dann genommen. Wenn ich Talente hatte, habe ich immer versucht, sie zu vermitteln. Wir haben Torhüter zum Trainingslager beim AS Rom gebracht oder eben zu Austria Wien. Ob sie dann weiterkommen, ist ihr Geschäft. Es sind immer welche dabei, die sofort herausstechen.

War David Alaba auch Teilnehmer eines Camps?

Bei dem war es anders: Als ich 2008 bei Austria Wien als Trainer eingesprungen bin, habe ich die U20 beobachtet und da hat mir nicht einer gefallen. Dann habe ich zu meinem Co-Trainer gesagt: „ Bring mir drei 17-Jährige, weil bei der U20 sehe ich keinen einzigen.“ Dann hat er mir Dragovic, Knasmüller und Alaba gebracht. Der Knasmüller ist ein super Kicker, der zu früh zu hoch gehandelt wurde. Man kann ja früh zu Inter gehen, aber da spielt man dann eben bei den Junioren. Wenn er erst zu Ingolstadt gegangen wäre, hätte er Luft nach oben gehabt. Vielleicht ist er noch zu retten. Jeder hat hier und da eine Phase, in der er nicht so stark ist.

Als Sie von 2009 bis 2011 Nationaltrainer waren, hat man Ihnen "Jugendwahn" vorgeworfen, weil sie Dragovic und Co. so jung ins Nationalteam geholt haben. Fühlen Sie sich nun bestätigt, weil sie schlussendlich richtig lagen?

Teilweise hat man mir das zu Recht vorgeworfen, aber ich hatte nie so etwas wie Jugendwahn in meinem Leben. Wären die Talente nicht da, hätte ich es nicht gemacht. Bei einem Jungen habe ich mich noch selten getäuscht. Ich wurde damals gegeißelt, weil ich den Andi Ivanschitz nicht eingesetzt habe, aber ich habe mich eben für Alaba aus der Dritten Liga entschieden. Dann hat‘s geheißen: Jetzt holt der Wahnsinnige einen aus der Dritten Liga und den Ivanschitz nicht. Wenn ich in der Hinsicht etwas ausgeglichener wäre, dann hätte ich beide genommen und weniger Stress gehabt. Aber das war mir eigentlich wurscht. Auch zwischen Yasin Pehlivan und Rene Aufhauser hatte ich so eine Entscheidung zu treffen. Jeder Trainer täuscht sich, aber unter dem Strich zählt nur das Ergebnis.

Wie gehen Sie mit Herausforderungen um?

Als Teamchef hätte ich es mir einfach machen können und im November gegen San Marino spielen können. Aber ich spiele lieber gegen Spanien und da verliert man dann eben einmal 1:5. Für den ÖFB ist es doch perfekt, wenn das Stadion voll ist. Natürlich ist es schwierig, wenn du dauernd jemanden wie Deutschland in der Qualifikation hast. Aber das Stadion ist voll und die Spieler sind inzwischen auf einem viel höheren Niveau als bei mir damals.

Und mit welchem Gefühl schauen Sie sich nun Länderspiele an?

Jetzt ist der Marcel Koller Trainer, den habe ich als sehr netten Menschen kennengelernt. Bei mir hat es immer geheißen, dass wir keine Taktik und keine Laufwege trainieren. Dem Huub Stevens ist es in Salzburg ja genau so ergangen. Bei Austria Wien wird‘s wohl in naher Zukunft das Gleiche sein. Jeder trainiert die Taktik auf seine Art. Wenn ein Trainer anfängt, die Spieler zu kritisieren, weil er die Übung nicht perfekt umsetzt, dann wird der Spieler das Tor auch aus fünf Metern Entfernung nicht mehr treffen.

Von Ihnen ist ja der Satz überliefert, dass Taktik überbewertet sei.

Ich habe gesagt: „Taktik ist wichtig. Noch wichtiger sind die Spieler, die den Unterschied ausmachen.“ Das kann man bei jedem Spiel sehen. Ich rede immer viel mit meinen Spielern. Als ich Teamchef geworden bin, war auch eine Aufbruchsstimmung da.

Sie haben vor einigen Jahren in einem Intersport-Coach-Video gesagt, dass das Spannende am Fußball sei, unterschiedliche Charaktere zu einer Einheit zu formen. Wie bringen Sie das Kindern bei?

Kinder sind in dieser Hinsicht viel natürlicher. Wenn die Sympathie zwischen den Spielern passt, dann sind die Kinder viel schneller beieinander. Im Profi-Fußball gibt es viel mehr Eigenbrötler, die herausstechen und nur gut wegkommen wollen. Kinder machen sich über die Beurteilung viel weniger Sorgen. Die spielen einfach. Wenn einer auf dem Weg zum Profi ist, dann wird er von seinem Manager oder Pressesprecher nie ein schlechtes Wort hören und kuschelweich versorgt - Kritik hört er nur vom Trainer, wenn etwas nicht passt. Das macht es für einen Trainer nicht leicht und ist dann eine Frage der Kommunikation. Das muss man hinbiegen. Das Geilste ist für mich, dass der Trainer an allem Schuld ist. Wer als Trainer keine Fehler macht und die auch nicht zugibt, der ist falsch gewickelt.

Wer ist Ihrer Meinung nach der beste Kicker, den Sie je im jugendlichen Alter trainiert haben?

Mit Sicherheit David Alaba. Wenn wir nur von den Camps reden, dann war es aber mit Sicherheit der Julian Baumgartlinger. Der hat immer sein Ziel verfolgt, trainiert und auf seine Mitspieler geschaut. Einmal hat er als Zwölfjähriger einem Neunjährigen den Ball gespielt, obwohl er wusste, dass der ihn nicht mehr erwischt. Der hat ihn zwar verloren, aber Julian hat ihn motiviert, einfach weiterzumachen. Ich war genauso als Spieler, das imponiert mir - so sozial, wie der sich als Kind verhalten hat, das ist ganz selten.

Trauen Sie sich, drei Namen von Camp-Teilnehmern zu nennen, die wir hoffentlich als Profis wiedersehen werden?

Einen habe ich jetzt zu Austria Wien geschickt, ein unheimlicher Brocken und mit drei Schritten war der 15 Meter weg - ein sauschneller Spieler. Ich kann mir die Namen leider nicht alle merken - aber ich erkenne sie wieder (lacht). Es gibt genug Talente. Nur der Weg zum Profi ist alles andere als leicht. Die Burschen und Mädels werden ja nicht wegen mir Profi. Du kannst ihnen ja nur mitgeben, was sie machen müssen. Bei mir selbst war das als Spieler ja auch so. Meine Technik war OK, aber ich war nicht schnell genug.

Und wieso ist dann etwas aus Ihnen geworden?

Ich kam 1975 zu Wacker Innsbruck, als Branko Elsner dort war. Ein Killer, aber ein super Trainer. Ich bin am Abend nach den beiden Trainings noch mit der Bleiweste drei, vier Mal in der Finsternis auf die Berg-Isel-Schanze gelaufen. Bis mich der Elsner einmal erwischt hat und mich fragte, ob die zwei Trainings denn nicht reichen. Meine Antwort war: Ja schon, aber ich muss schneller werden. Und eine Woche später habe ich dann gespielt. Ich habe seit 40 Jahren nicht mehr an mir gearbeitet - weil ich damals die Basis gelegt habe. Das braucht's!

Im Moment ist der so genannte „Dorfklub“ SV Grödig in aller Munde , das gefällt den Traditionalisten natürlich wenig. Sie selbst haben ja dank der Trainerstation beim FC Pasching auch Erfahrung mit Fußballzwergen. Wie sehen Sie das?

Pasching war eine spezielle Geschichte. Ich mag den Franz Grad, für mich ist das ein Supertyp. Bei allen anderen geht es nur ums Geld - bei ihm nicht. Sein Manager Max Eisenköck hat mich 2006 angerufen und gesagt, dass sie mich brauchen. Ich bin dann einmal hingefahren und der Grad hat mir gedankt, dass ich ihm helfe. Da wusste ich ja noch gar nicht, ob ich überhaupt helfen kann. Er wollte dann übers Geld reden, ich aber zunächst einmal die Mannschaft trainieren - am selben Abend haben wir den GAK 3:1 geschlagen. Am nächsten Tag wollte er wieder übers Geld reden, ich hatte aber keine Zeit, weil in zwei Tagen das Spiel gegen die Wiener Austria anstand. Und so ging das dann 3,5 Monate lang - bei der meiner letzten PK hat mich Franz Grad gefragt: Was ist mit Ihnen los, wann wollen Sie über das Geld reden?

Das beantwortet die Frage nach dem Verhältnis von Traditionsvereinen zu Dorfklubs noch nicht.

Österreich ist ein Land, in dem immer wieder Traditionsklubs weggebrochen sind, zuletzt etwa der GAK, Sturm Graz konnte sich ja gerade noch retten. Es kommt natürlich darauf an, wie die Vereine arbeiten. Man kann Grödig nicht vorwerfen, dass sie ein Dorfklub sind. Die haben viel Geld eingesetzt um in die Bundesliga zu kommen. Ried, Mattersburg, Wolfsberg, Wiener Neustadt – das sind alles keine Großmachten, aber Kämpfer. Die sind verdient aufgestiegen, weil die anderen Mannschaften wahrscheinlich schlechter gewirtschaftet haben. Die Österreichische Liga ist eine Dörferl-Liga.

Ist die Österreichische Bundesliga tatsächlich eine "Ausbildungsliga", als die sie von Experten gerne bezeichnet wird?

Ja klar. Es gehen total viele Spieler nach Deutschland, das spricht dafür.

Allerdings verdienen die heimischen Klubs kaum etwas mit Spielertansfers per Ende Juli , standen bei den zehn Bundesliga-Klubs Transfererlösen von 10.000 Euro stolze fünf Millionen an Ausgaben für neue Spieler gegenüber.

Das ist ja Wahnsinn! Wie kann denn das sein? Naja, wir haben ja in Österreich derzeit auch etwa 200 arbeitslose Spieler in den oberen Ligen. Viele Vereine haben aber nicht einmal das Geld, diese Spieler zu verpflichten.

Wacker Innsbruck ist Ihr Stammklub, heuer feiert er das 100-jährige Jubiläum. Wie groß ist die Liebe zu diesem Verein?

Naja, der Konkurs von 2002 hat viel verändert, aber ich bin ja der Bub vom Platzwart und schon mit einem Jahr auf dem Rasen am alten Tivoli gelegen, mit zehn Jahren habe ich die Löcher auf dem Spielfeld ausgebessert. Es gibt ja niemanden, der länger bei Wacker war als ich (lacht).

Naja, das Innsbrucker Football-Team, die Raiders haben im selben Stadion mehr Zuschauer als die Kicker von Wacker...

Die Footballer machen das super. Denen habe ich sogar einmal einen Spieler gebracht! Christian Kellner, der war damals Mittelstürmer bei Austria Wien. Den kannte ich zwar nicht persönlich, aber ich wurde von den Raiders gefragt, ob ich nicht jemanden vermitteln kann. Dann hab ich den Kellner angerufen und gefragt, ob er da nicht Lust drauf hätte. Die Regeln kannte er und 60 Meter weit schießen konnte er auch - mit dem haben sie eine Riesenfreude gehabt.

Was ist der wichtigste Rat, denn Sie Kids bei einem Fußballcamp mit auf den Weg geben können?

Der gegenseitige Respekt ist das Wichtigste. Wenn jemand die Gabe und die Einstellung hat um Profi zu werden, also fokussiert ist, dann sieht man das schon bei Kindern. Auf dem Weg zum Profi ist man von vielen Dingen abhängig: Verletzungen und das Umfeld beim Verein zum Beispiel. Aber es braucht auch Glück: Der falsche Trainer zum richtigen Zeitpunkt - da hilft dann nur die Geduld.

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